Police gegen Hitzefolgen: Keine Versicherung gegen Dürre in Deutschland

Police gegen Hitzefolgen : Keine Versicherung gegen Dürre in Deutschland

Für Bauern ist Trockenheit ist das größte Wetterrisiko. Im Gegensatz zu weiten Teilen der EU gibt es hierzulande aber keine Police dafür.

1992 und 2003 waren mit wetterbedingten Milliardenschäden schlimme Jahre für die heimische Landwirtschaft. „2018 passt in diese Reihe, vielleicht wird es auch schlimmer“, schätzt Rainer Langner. Er ist Vorstandschef des Gießener Spezialversicherers Vereinigte Hagel, der Landwirten hierzulande marktführend Policen gegen schlechtes Erntewetter anbietet. „Ich fürchte, dass wir die Summe von zwei Milliarden Euro überschreiten werden“, sagt der Experte mit Blick auf sich abzeichnende Ernteausfälle.

Es könnte also eng werden, wenn es auf deutschen Äckern staubtrocken bleibt. Eigentlich schreit die Lage nach einer Versicherung. Aber die gibt es in Deutschland nicht. Das ist europaweit eine ziemliche Ausnahme, was an der Politik und einer pokernden Agrarlobby liegen dürfte. Die Assekuranz trommelt in Deutschland jedenfalls seit Jahren vergeblich für eine landwirtschaftliche Mehrgefahrenpolice inklusive Trockenheit, wie es sie in den USA und vielen EU-Ländern gibt.

Was Sache ist, beschreibt eine Studie des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) genau. Zwischen 1990 und 2013 haben demnach Wetterrisiken in Deutschland im Schnitt jährliche Ernteausfälle von 511 Millionen Euro verursacht. Klimabedingt steige die Schadensumme dabei eher an. Vom jährlichen Durchschnittsschaden entfällt mit 276 Millionen Euro mehr als die Hälfte auf Trockenheit. Danach folgt Hagel mit 134 Millionen Euro. Der Rest verteilt sich auf Frost, Überschwemmung und Sturm mit Starkregen.

Gute Versicherung gegen Hagel

Gegen Hagel können Landwirte sich in Deutschland gut versichern. Etwa drei Viertel der heimischen Ackerflächen sind hier per Policen abgesichert, sagt Langner. Bei Sturm, Starkregen, Überschwemmung und Frost wird es mit einer Quote von 20 bis 25 Prozent schon deutlich dünner. Eine Police gegen Trockenheit aber, die mit Blick auf das Schadenspotenzial die wichtigste von allen wäre, gibt es nicht und das hat Gründe.

Zum einen hat der Gesetzgeber zwar die Versicherungssteuer für Agrarpolicen gegen Hagel, Sturm, Starkregen, Überschwemmung und Frost von 19 auf 0,3 Prozent abgesenkt und sie damit erschwinglicher gemacht. Bei Policen gegen Trockenheit beharrt die Politik aber auf 19 Prozent. Noch wichtiger ist aber, dass Bund und Länder im Gegensatz zu weiten Teilen der EU heimischen Bauern staatlichen Zuschuss zu landwirtschaftlichen Mehrgefahrenpolicen verweigern.

Mit bis zu 70 Prozent werden entsprechende Policen von Frankreich über Italien und Polen bis Spanien, Niederlande und Österreich staatlich bezuschusst, erklärt Langner. Mal werden dazu EU-Agrartöpfe verwendet, mal rein nationale Finanzmittel. Entscheidend ist das vor allem bei Policen gegen Trockenheit. „Das ist ein Kumulrisiko“, erklärt Langner. Er meint damit, dass Dürren im Gegensatz zu anderen Wettergefahren wie Hagel selten lokal begrenzt, sondern oft flächendeckend auftreten und damit Schadensummen enorm nach oben treiben können. Das macht Policen gegen Trockenheit so teuer, dass Bauern sie sich schlicht nicht leisten können. Dazu kommt eine allgemein geringe Versicherungsdichte bei Agrarpolicen.