Vieles geschieht in rechtlicher Grauzone: Keine Kontrolle von Minderjährigen bei Online-Glücksspielen

Vieles geschieht in rechtlicher Grauzone : Keine Kontrolle von Minderjährigen bei Online-Glücksspielen

Glücksspiel im Internet ist hierzulande eine heikle und verwirrende Angelegenheit. Bei Tests haben Verbraucherschützer entdeckt, dass das Alter der Glücksspieler nicht geprüft wird. Dabei wären wirksame Kontrollen leicht möglich. Was steckt dahinter?

Casinospiele im Internet sind in allen Bundesländern verboten – außer in Schleswig-Holstein, das dafür im Alleingang Lizenzen vergeben hat. Wer sich aus welchem Bundesland anmeldet, wird aber nicht überprüft, sagen Verbraucherschützer. Das Internet kennt keine Grenzen. Online-Sportwetten wiederum sind derzeit rechtlich  geduldet. Um Wirrwarr und Unsicherheiten zu beenden, ist eine Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags in Arbeit, über die alle 16 Bundesländer noch in diesem Jahr entscheiden wollen. Hinter den Kulissen wird heftig gestritten, hört man. Konsens ist aber, dass Minderjährige online keinen Zutritt zu Glücksspielen haben dürfen. Das gilt heute schon. Möglich ist es trotzdem.

 Das legt zumindest eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bayern nahe. Für Digitales zuständige Experten des  Marktwächterteams haben dort getestet, ob Online-Wettanbieter bei der Anmeldung das Alter auch wirklich prüfen, und ein eindeutiges Ergebnis erzielt. „Das tatsächliche Alter wurde bei keiner einzigen der fünf getesteten Webseiten überprüft“, sagt Verbraucherschützerin Tatjana Halm.

 Versucht haben es ihre Kollegen bei namhaften Anbietern wie Tipico und Bet-at-home. Bei den Testanmeldungen habe man auch ungeprüft Geld einzahlen und Wetten platzieren können. Bezahlt wurde dabei mittels Paysafekarten. Deren Erwerb sollte eigentlich auf Erwachsene beschränkt sein. „Bei unserem Testkauf wurde kein Ausweisdokument verlangt“, klärt Projektleiterin Juliane von Behren von der Verbraucherzentrale Bayern auf. Erwerben kann man solche Karten im Handel, der in diesem Punkt bei der Altersprüfung offenkundig ebenfalls versagt. Altershürden könnten damit auf allen relevanten Ebenen leicht umgangen werden, folgert von Behren.

Falsches Geburtsdatum reicht

 Beim Anmelden auf den Seiten von Online-Wettanbietern reicht einfach die Angabe eines falschen Geburtsdatums. Das bestreiten zwei der fünf getesteten Online-Wettbüros. Die drei anderen haben auf Anfragen nicht geantwortet. Widerspruch angemeldet haben Tipico und Bet-at-home. „Jugendschutz besitzt bei Tipico höchste Priorität“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Bei jeder Anmeldung müssten sich Nutzer als geschäftsfähige Personen identifizieren und bestätigen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind. Dafür gebe es mehrstufige Sicherungsmaßnahmen und Abgleiche der Anmeldedaten mit Wirtschaftsauskunfteien, Identitätsdatenbanken oder Sperrdateien. Bet-at-home äußert sich sehr ähnlich. Eine eigene Abteilung überprüfe dort laufend die Rechtmäßigkeit von Kundendateien, wird beteuert. Sollte sich herausstellen, dass Minderjährige gesetzeswidrig gezockt haben, würden alle Transaktionen rückabgewickelt.

 Die Verbraucherschützer widersprechen. „Welche mehrstufigen Sicherungsmaßnahmen bei Tipico greifen, können wir nicht nachvollziehen“, sagt von Behren. Eine tatsächliche Überprüfung des Alters finde im Rahmen der Registrierung jedenfalls nicht statt. Mit einem falschen Geburtsdatum könne sich jeder anmelden und habe dann nicht nur Zugriff auf Sportwetten, sondern auch auf Online-Casinos. Nur gewinnen könne er nicht. Denn eine Überprüfung des Alters gebe es schon, aber erst bei Gewinnen. Dann werde Minderjährigen eine Ausschüttung verweigert.

Gefahr der Spielsucht

 Die Verbraucherschützer finden die Lücken im System bedenklich. „Es besteht die Gefahr, dass junge Menschen spielsüchtig werden und in eine finanzielle Schieflage geraten“, warnt Halm. Die Ergebnisse der Testanmeldungen sollten deshalb auch Eltern sensibilisieren. Politisch seien die Bundesländer mit der Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags in der Pflicht. Vor den Kadi zerren könnten die Verbraucherschützer sündige Glücksspielanbieter hingegen kaum. Diese hätten ihren Sitz üblicherweise in Ländern wie Malta, Gibraltar oder den Seychellen, wo sie rechtlich ohne größeren Aufwand nicht greifbar seien.

 Wirksame Kontrolle wäre aber leicht möglich. „Tipico implementiert gerade Methoden der Video-Identifikation, die sehr zeitnah nach der Registrierung notwendig werden“, sagt ein Firmensprecher. Solche Verfahren werden unter anderem von Banken verwendet. Anmelder müssen dabei ein Ausweisdokument vor eine Bildschirmkamera halten und können damit bei Identität oder Alter nicht mehr schummeln. Bei Online-Wetten mit seinen Milliardenumsätzen in Deutschland sollte das zum Standard gehören.