Kommentar zu den Grenzwerten für Lkw: Kein Ehrgeiz

Kommentar zu den Grenzwerten für Lkw : Kein Ehrgeiz

Die zögerliche Gangart der EU beim Umgang mit den Emissionen von Lkw ist ärgerlich, findet unser Autor.

Der Weg zu den neuen Lkw-Grenzwerten steckte voller Überraschungen. So waren über 30 führende europäische Logistikunternehmen bereits 2018 in Brüssel vorstellig geworden. Sie forderten endlich klare Vorgaben, die auch ehrgeizig sein sollten. Schon damals verwiesen viele Betriebe auf ein gut funktionierendes Beispiel in der Schweiz: Dort fahren selbst schwere Brummer elektrisch – und werden dafür belohnt: keine Kfz-Steuer und kein Nachtfahrverbot. Kurzum: Andere sind längst weiter als Europa und übrigens auch als Deutschland, das sich in der langen Brüsseler Verhandlungsnacht erneut als Blockierer für ambitionierte Abgas-Grenzwerte entpuppt hat. Das ist unverständlich. Schließlich gehörte es doch jahrelang zum Repertoire der Kanzlerin, den Klimaschutz mit seinen Innovationen als Motor für die Wirtschaft zu preisen.

Die zögerliche Gangart der EU ist ärgerlich. Denn während sich Pkw-Besitzer immer neue Auflagen bis hin zu Fahrverboten gefallen lassen müssen, dürfen schwere Lkw und Busse vorerst weiter ungehindert die Atemluft belasten – und gesperrte Straßen benutzen. Dabei braucht man nicht einmal die umstrittenen Messstationen dafür, um zu wissen, dass der Lastverkehr an der mangelnden Luftqualität seinen hohen Anteil hat. Wirklich ehrgeizig wäre es, vor allem den innerstädtischen Bus- und Lieferverkehr systematisch zu regulieren, zumal dies ja offenbar – siehe die Schweiz – sehr viel weitgehender möglich ist, als die europäischen Verbände behaupten.

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