Kommentar zur Sicherheit im Netz: Hilflos bei Hackern

Kommentar zur Sicherheit im Netz : Hilflos bei Hackern

Wenn es um Sicherheit im Netz geht, arbeitet sich Ministerin Katarina Barley an Gütesiegeln und neuen Klagewegen ab. Ob das die richtige Strategie gegen die Feinde des Datenschutzes ist? Ein Kommentar.

Der Ministerin für Verbraucherschutz ist eine gewisse Hilflosigkeit anzumerken. Katarina Barley arbeitet sich an Gütesiegeln und neuen Klagewegen ab. Das ist die übliche Reaktion ihres Ressorts auf neue Probleme. Doch bei den Feinden des Datenschutzes hat sie es mit gesichtslosen, schwer zu fassenden Gegnern zu tun, denen sie mit diesen Mitteln kaum beikommen kann.

Auf der einen Seite sieht sie sich mit Großkonzernen konfrontiert, die in Kalifornien, in China oder auf den Caymaninseln registriert sind. Sie stehen wie große schwarze Blöcke in der deutschen IT-Landschaft. Was wirklich in ihrem Inneren vorgeht, weiß keiner, ihre Algorithmen bekommt kaum jemand zu sehen. Sie bezahlen routinemäßig Bußgelder, ohne dass sie das groß schreckt.

Auf der anderen Seite stehen die Kriminellen. Ein Schüler aus Mittelhessen kann das Establishment bereits in Aufruhr versetzen, indem er Urlaubsfotos online stellt. Bedrohlicher sind jedoch staatliche Spieler. Wenn die Russen, die Amerikaner oder die Chinese an einen Rechner heranwollen, dann helfen weder gut gemeinte Gütesiegel noch die Windows-Firewall.

Die Bundesregierung tut gut daran, IT-Sicherheit ernst zu nehmen. Es ist Aufgabe des Staates, Spielregeln zu setzen. Wir brauchen Datenschutzregeln genauso wie Verkehrsregeln und Regulierung von Nahrungsmitteln. Doch wegen der globalen und anonymen Natur des Netzes ist hier noch viel mehr der Einzelne gefragt, sich zu schützen. Das Ministerium muss hier noch viel mehr informieren, damit die Bürger – dazu gehören auch Abgeordnete – die vorhandenen technischen Mittel zur Sicherung ihrer Online-Konten auch wirklich nutzen. Bequemlichkeit ist der größte Freund der großen und kleinen Daten-Diebe. Daran ändern auch Gütesiegel nichts.