IAA in Frankfurt: Heftige Proteste zur Automobilmesse erwartet

IAA in Frankfurt : Heftige Proteste zur Automobilmesse erwartet

Die IAA steht unter schwierigen Vorzeichen. Reihenweise Autohersteller haben abgesagt. Zudem planen Auto-Kritiker Protestaktionen.

Die deutsche Automobilindustrie möchte zur internationalen Automobilmesse IAA mit ihren Kritikern ins Gespräch kommen. Der Branchenverband VDA (Verband der Automobilindustrie) wolle die individuelle Mobilität ermöglichen, nicht sie abwürgen, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes zehn Tage vor Eröffnung der Branchenschau. Denn zum ersten Publikumswochenende am 14. und 15. September sind Demonstrationen und Blockadeaktionen angekündigt. Die Kritiker fordern ein sofortiges Ende von Verbrennungsmotoren.

"Der Verbrennungsmotor wird Teil nachhaltiger Mobilität sein", ist sich VDA-Präsident Mattes unter Verweis auf neue Modelle und Hybridmotoren sicher. Doch um die "sehr ehrgeizigen" CO2-Flottengrenzwerte der EU bis 2030 zu erreichen, sei die schnelle Marktdurchdringung von E-Fahrzeugen notwendig. Um den CO2-Ausstoß bis dahin um 37,5 Prozent zu senken müssten in Deutschland 2030 sieben bis 10,5 Millionen E-Autos im Bestand auf der Straße sein. Hersteller und Zulieferer investierten in den kommenden drei Jahren 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität, bis 2023 sollten 150 Modelle auf den Straßen sein.

Doch dazu benötige die Industrie auch die passenden politischen Rahmenbedingungen, vor allem eine gute Ladeinfrastruktur: "E-Autos werden nur dann vom Kunden angenommen, wenn die Fahrzeuge auch problemlos geladen werden können", sagte Mattes. "Elektromobilität muss für die Bürger sichtbar sein." Dass diese noch verärgert seien wegen des Dieselskandals, das könne er nachvollziehen, so der VDA-Präsident: Deswegen gehe man auf die die Menschen zu und suche die transparente Diskussion, auf der man auch provokante Fragen wie die nach der Notwendigkeit des Autos stellen wolle. Dazu sind zwei offene Veranstaltungen am 5. und 13. September geplant, die für alle zugänglich seien.

Millitante Proteste befürchtet

Doch die Organisatoren der IAA fürchten offenbar auch militante Proteste. Entsprechend hoch dürften in diesem Jahr die Sicherheitsvorkehrungen sein. Wie groß die Sorge ist, zeigte sich schon am Montag. Da wurde auch die Pressekonferenz in einem Konferenzzentrum schon aufwendig polizeilich gesichert.

Neben dem Klimaschutz und dem Systemwechsel zu alternativen Antrieben wie der Elektromobilität steht die Branche aber auch wirtschaftlich unter Druck. So rechnet sie in diesem Jahr weltweit mit einem Pkw-Absatz von 81 Millionen, das wäre ein Einbruch um vier Prozent, immerhin aber noch 50 Prozent mehr als vor zehn Jahren. In allen drei großen Märkten der Branche – in Europa, den USA und China – gehe der Absatz zurück. Das hat aber auch mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China beziehungsweise den USA und Europa zu tun. Die Branche fürchtet etwaige Einfuhrzölle für europäische Autos in den USA. "Der Automobilstandort Deutschland mit seiner hohen Exportquote steht vor erheblichen Herausforderungen", warnte Mattes.

Die Automesse, einst Publikumsmagnet, muss aber auch um ihre eigene Zukunft bangen. Die Zahl der Aussteller ist in diesem Jahr um ein Fünftel niedriger als 2017. Viele Hersteller stellen ihre Produkte auf anderen Messen aus. So fehlen große Hersteller wie Chrysler, Citroen, Fiat, Kia, Peugeot, Tesla, Toyota oder Volvo. Selbst deutsche Hersteller wie Mercedes oder BMW haben ihre Ausstellungsfläche reduziert – auch der Kosten wegen. Mattes verweist darauf, dass einige Hersteller auf der IAA präsent seien, indem sie etwa Probefahrten anböten oder an Diskussionen teilnähmen. Die IAA wird am Donnerstag, 12. September, von Kanzlerin Angela Merkel eröffnet, sie dauert bis zum 22. September.

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