Kommentar zur neuen Nährwertkennzeichnung: Guter Weg

Kommentar zur neuen Nährwertkennzeichnung : Guter Weg

Auf diesen Kompromiss zwischen plakativer Ampel und unverständlichen Informationen sollten sich die Kontrahenten verständigen können, meint unser Autor.

Ein jahrelanger Streit zwischen Ärzten, Ernährungsforschern auf der einen Seite und der Lebensmittelindustrie auf der anderen könnte bald der Vergangenheit angehören. Dabei geht es um eine leicht verständliche Kennzeichnung von Fertigprodukten im Supermarkt. Wie gesund eine Dosensuppe oder eine Tiefkühllasagne tatsächlich ist, erschließt sich den meisten Kunden nicht. Dabei stehen die entsprechenden Zutaten auf der Verpackung. Nur können die wenigsten Konsumenten diese Informationen richtig einordnen. Manchen fehlt die Zeit zum Lesen, andere verstehen die Angaben nicht. Viele interessiert der Inhalt auch gar nicht, so lange die Mahlzeit nur gut schmeckt.

Die Folgen des unreflektierten Essens sind in den Krankheitsstatistiken ablesbar. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten als Folge von Übergewicht verbreiten sich in den wohlhabenden Nationen immer weiter. Nur mit Aufklärung, nicht mit Verboten, lässt sich der Trend durchbrechen. Der in Frankreich entwickelte Nutri Score, der gesunde und ungesunde Zutaten bei einer farblichen Kennzeichnung berücksichtigt, ist eine gute Antwort auf die Herausforderung, besser zu informieren. Die Verbraucher wollen mit wenigen Blicken verschiedene Angebote vergleichen können. Eine Farbkennzeichnung kann ohne erhobenen Zeigefinger zur erwünschten Bewusstseinsänderung beitragen. Denn niemand isst bewusst gerne Ungesundes, wenn es Alternativen dazu gibt.

Auf diesen Kompromiss zwischen plakativer Ampel und unverständlichen Informationen sollten sich die Kontrahenten verständigen können. Einzelne Unternehmen packen dies ja schon freiwillig an. Die Bundesregierung sollte derlei Initiativen durch entsprechende gesetzliche Regelungen schnell den Rücken stärken. Sie hat sich bisher stets auf die Seite der Industrie geschlagen. Doch die bisherigen Ausreden der Lebensmittelhersteller greifen beim Nutri Score nicht mehr.

Mehr von GA BONN