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Immer mehr Menschen stecken ihr Geld in nachhaltige Investments: Grüne Milliarden

Immer mehr Menschen stecken ihr Geld in nachhaltige Investments : Grüne Milliarden

Greta ist nicht die Ursache, aber sicher ein wichtiger Grund.

Immer mehr Menschen stecken ihr Geld in nachhaltige Investments – europaweit mehr als 300 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2019. Nicht nur junge Leute, auch ein mittlerweile 79-jähriger Fondsprofi mischt da kräftig mit.

Greta Thunberg (16) und Walter Schmitz (79) haben eine Gemeinsamkeit: Beide segeln gern. Bei der einen gehört die CO2-neutrale Fortbewegung zur Mission, beim anderen – der seit jeher im rheinisch-bergischen Kreis lebt – ist das Segeln seit mehr als 50 Jahren Leidenschaft und praktisch das einzige Hobby. Ohne dass sie sich jemals begegnet wären, verbindet beide noch mehr. Die junge Schwedin will eine wieder unversehrte Welt. Schmitz promotet den Nachhaltigkeitsfonds PRIMA – Global Challenges, nachdem er kürzlich seine Fondsgesellschaft, die er vor fünf Jahren verkaufte, gemeinsam mit zwei Partnern wieder zurückerworben hatte. „Der Fonds hat in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt mehr als 10 Prozent Rendite erwirtschaftet“, sagt Schmitz. Was nicht nur Anleger, sondern besonders ihn fröhlich stimmt. Immerhin 50 Millionen Euro des Schmitzchen Familienvermögens stecken in dem Fonds.

Mit gutem Gewissen Geld anlegen – das, so scheint es, liegt in Deutschland und in anderen europäischen Ländern voll im Trend. So zählte die Ratingagentur Scope kürzlich 824 in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Investmentfonds, die nachhaltig anlegen – fast 300 mehr als noch vor einem Jahr. Nach Angaben von Morningstar, einem bekannten US-amerikanischen Fondsanalysehaus, gibt es europaweit beinahe 2200 Investmentfonds, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben.

Zwar unterscheiden sich die Fonds im Detail. Gleichwohl folgt deren Anlagepolitik übergeordneten Kriterien, die letztlich insgesamt sieben globale Handlungsfelder vereinigen. Grundlagen sind die Millennium Development Goals der Vereinten Nationen (UN), die Nachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Union, der Global Environmental Outlook des Umweltprogramms der Vereinten Nationen sowie auch die zehn Prinzipien der UN Global Compact. „Jene sieben Handlungsfelder sind der Klimawandel, die ausreichende Versorgung mit Wasser, der nachhaltige Umgang mit Wäldern, der Erhalt der Artenvielfalt, der Umgang mit der Bevölkerungsentwicklung, Bekämpfung der Armut sowie die Etablierung von Governance-Strukturen“, erklärt Dr. Sabine Hampel, Portfoliomanagerin bei ACATIS Investment in Frankfurt. Sie und ihr Team managen den PRIMA – Global Challenges seit dem ersten Tag.

Übrigens: Bei ESG-Fonds – die Abkürzung für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – gibt es nicht nur positive, sondern auch negative, also sogenannte Ausschlusskriterien. No-Go´s sind beispielsweise Atomenergie, grüne Gentechnik, fossile Brennstoffe, Rüstung sowie unternehmerische Ungereimtheiten im Hinblick auf Korruption, Bilanzierung sowie Menschen- und Arbeitsrecht.

Die Behauptung, man könne mit Nachhaltigkeits-Investments angesichts der Ausschlusskriterien kein oder nur wenig Geld verdienen, hält Investmentprofi Schmitz „für völlig falsch. Bester Beweis ist die Wertentwicklung unseres Fonds.“ Bestätigt wird dies durch Erkenntnisse der Ratingagentur Scope. Danach erzielten Nachhaltigkeits-Aktienfonds in den vergangenen drei Jahren im jährlichen Schnitt 7,9 Prozent Rendite. Zum Vergleich: Herkömmliche Aktienfonds mit globaler Ausrichtung kamen in dieser Zeit im Schnitt auf 6,7 Prozent p.a.

Geldanlage und Rendite haben Greta und ihre jungen Mitstreiter  garantiert nicht im Sinn. Doch das könnte sich in ein paar Jahren ändern, sobald sie erwachsen sind – mit eigenem Einkommen, eigener Familie, der Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge und, und, und. Walter Schmitz hätte für die Klimaaktivistin dann sicher ein passendes Investment…