Kommentar zu den SUV auf der IAA: Glaubwürdig bleiben

Kommentar zu den SUV auf der IAA : Glaubwürdig bleiben

Das Argument, die Kunden verlangten die schweren Kisten, ist wenig überzeugend. Zumindest passt es nicht in Unternehmen, die Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen schreiben, kommentiert unser Korrespondent Mischa Ehrardt.

Die deutsche Autoindustrie befindet sich in einer schwierigen Lage – und das lässt sich auf mehrfache Weise auf der diesjährigen IAA ablesen: Die Messe ist geschrumpft, weil viele Hersteller mit Absatzschwund kämpfen und ihr Geld zusammenhalten. Zudem können die Autohersteller in sozialen Medien gezielt Werbeaktionen für die Einführung eines neuen Modells machen – jederzeit und sehr wirkungsvoll. Apple hat es vorgemacht, Tesla hat das kopiert und ist konsequenterweise in Frankfurt gar nicht dabei.

Die schwierige Lage der Autoindustrie aber lässt sich am besten ablesen am Spannungsfeld zwischen den Präsentationen zum Auftakt dieser Messe und den tatsächlichen Verkäufen. Hier passen der Wunsch, sich als nachhaltiges und klimaneutrales Unternehmen zu präsentieren, und die Realität einfach nicht zusammen. Denn die schweren Stadtgeländewagen werden es in diesem Jahr bei den Neuzulassungen auf einen Marktanteil von über 30 Prozent bringen, Tendenz steigend. Das hat rein gar nichts mit nachhaltigen Produkten zu tun. Denn jedes Kilo mehr auf der Straße will bewegt werden und stößt damit auch mehr CO2 aus.

Das Argument, die Kunden verlangten die schweren Kisten, ist wenig überzeugend. Zumindest passt es nicht in Unternehmen, die Nachhaltigkeit auf ihre Fahnen schreiben. Vor allem junge Leute bemerken solche Widersprüche schnell – und handeln entsprechend. Die Autohersteller müssen aufpassen, nicht ihre Glaubwürdigkeit zu verspielen.

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