Kommentar zur Konjunktur: Gefährlicher Handelsstreit

Kommentar zur Konjunktur : Gefährlicher Handelsstreit

Noch läuft vieles in guten Bahnen, doch es mehren sich die Zeichen, dass der wirtschaftliche Gegenwind zunehmen könnte, meint unser Autor. Ein Kommentar.

Es mehren sich die Zeichen, dass der wirtschaftliche Gegenwind zunehmen könnte. Zwar läuft aktuell vieles noch in guten Bahnen: Die Auftragsbücher sind gefüllt – auch wenn sie auf diesem hohen Niveau leicht abnehmen; die Arbeitslosigkeit ist gering, was den inländischen Konsum stärkt.

Allerdings deuten die seit Monaten schrumpfenden Auftragsbestände auch eine andere Tendenz an. Und diese Tendenz drückt sich auch immer stärker in Wirtschaftsindikatoren aus. So sind etwa die Konjunkturerwartungen von Investoren deutlich in den Keller gerauscht, das hat man in dieser Woche am ZEW-Index ablesen können. Deswegen hat die EZB sich im Wortlaut dem Krisenmodus angenähert, indem ihr Chef Mario Draghi wieder die Möglichkeit des Öffnens der Geldschleusen der EZB ins Spiel gebracht hat.

Nur ist die Sache komplizierter geworden, seit Donald Trump im Weißen Haus twittert. Denn der hat postwendend derartige Ideen als „unfair“ gegenüber den USA bezeichnet. Der Euro sei gefallen, der Dax gestiegen nach den „Stimulus-Bemerkungen von Mario Draghi“, twitterte Trump. Der Hintergrund seiner Kritik ist nachvollziehbar: Denn eine Geldschwemme seitens der hiesigen Notenbank würden den Euro schwächen, was den heimischen Exporteuren Vorteile gegenüber der Konkurrenz aus anderen Ländern wie den USA verschafft. Deswegen könnte der Ärger des US-Präsidenten zu neuen Drohungen im Handelskonflikt zwischen den USA und Europa führen. Und hier schließt sich der Kreis. Denn ein sich zuspitzender Handelskonflikt würde den Gegenwind verschärfen, was die erst recht zum Gegenlenken bewegen würde. Es wird alles andere als einfach sein, einen Ausweg aus dieser Spirale zu finden.

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