Freibeträge mildern die Belastung der Banken.

Kreditwirtschaft : Freibeträge mildern die Belastung der Banken

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Strafzinsen, die Banken für geparkte Liquiditätsüberschüsse an die EZB zahlen müssen, von 0,4 auf 0,5 Prozent erhöht. Daraus könnte man schließen, der Druck auf die Kreditinstitute, Strafzinsen an ihre Kunden weiterzugeben, habe zugenommen.

Bisher werden generell Unternehmen und institutionelle Anleger und teils auch Privatpersonen belastet, wenn es um größere Einlagen (ab 500 000 Euro) geht. "Flächendeckend", also unter Einschluss kleinerer Guthaben, tut sich noch nichts. Eine detaillierte Betrachtung der EZB-Beschlüsse zeigt nun, dass die Kreditwirtschaft nicht mehr, sondern weniger zahlen muss. Das liegt an einem Freibetrag (Staffelzins), der neu eingeführt worden ist.Danach sind keine Strafzinsen fällig, soweit die Einlagen bei der EZB nur das Sechsfache der vorgeschriebenen Mindestreserven ausmachen. Mindestreserven müssen die Institute als Sicherheitspolster bei der EZB unterhalten.

Sie werden weder positiv noch negativ verzinst. Das Gleiche gilt neuerdings für den sechsfachen Betrag der Mindestreserve. Erst wenn die geparkten Liquiditätsüberschüsse darüber hinausgehen, und das tun sie, werden Strafzinsen eingefordert. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) schätzt, dass der Freibetrag zu einer Entlastung der Kreditwirtschaft von 500 Millionen Euro führt. Statt bisher knapp 2,4 Milliarden Euro wären 1,9 Milliarden Euro jährlich zu entrichten. Ohne Freibetrag wäre, so die Rechnung, die Belastung auf fast drei Milliarden Euro gestiegen, wobei ein Liquiditätsüberschuss von rund 600 Milliarden Euro unterstellt wird.

Warum ist so viel überschüssige Liquidität vorhanden? Nicht zuletzt deshalb, weil die Kreditnachfrage, bei Unterschieden zwischen den Instituten, insgesamt schwach ist. Ein Sprecher des Bankenverbandes verweist darauf, dass große Unternehmen sich lieber am Kapitalmarkt bedienten. Hinzu komme, dass die Ankäufe von Staatsanleihen durch die EZB zusätzlich Geld in den Markt brächten.