Kommentar zur Verhaftung des Audi-Chefs: Fortgesetztes Vertuschen

Kommentar zur Verhaftung des Audi-Chefs : Fortgesetztes Vertuschen

Der neue VW-Chef Herbert Diess hat jüngst auf der Hauptversammlung versprochen, der Konzern wolle „ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden“. Diese tiefgreifende Aussage ist bei Audi-Chef Rupert Stadler nicht angekommen.

Wenn der Verdacht der Staatsanwälte stimmt, dass er versucht hat, Beweismittel des Diesel-Betrugs verschwinden zu lassen und sich mit Zeugen oder anderen Beschuldigten absprechen wollte, dann setzt ein wesentlicher Akteur des VW-Konzerns sein Verhalten der Vorjahre offenbar schlichtweg fort: lügen, betrügen, vertuschen.

Am technischen Umfang der Dieselaffäre hat sich durch die Verhaftung von Stadler kein Deut geändert. Audi soll in den USA und Europa 910 000 Fahrzeuge wegen möglicher Mängel bei der Abgasreinigung zurückrufen. Das ist schon seit Längerem bekannt. Doch der Verdacht, dass Stadler im Dezember 2015 bereits über die Schummelsoftware Bescheid wusste, nährt die These, dass sich das Wissen im Dieselskandal nicht auf Ingenieure allein beschränkte, sondern auch Chefetagen eingeweiht waren.

Seit Ende 2015 mussten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen. Stadler blieb auf seinem Stuhl, denn er hatte den Rückhalt der mächtigen VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Der notwendig gewordene personelle Neuanfang bei Audi lässt hoffen, dass es auch zu einem inhaltlichen Neuanfang kommt. Sonst verspielt die etablierte Autoindustrie, die ohnehin Probleme hat, ihren Ruf vollends.

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