Kommentar zum Bioboom: Förderung umstellen

Kommentar zum Bioboom : Förderung umstellen

Pläne für eine EU-Agrarreform gibt es. Nur die zuständige Bundesministerin hat ihre Position noch nicht erklärt. Ihre Haltung zum Zucker lässt nichts Gutes ahnen, meint unser Autor.

Bio-Lebensmittel sonnen sich in Deutschland seit Jahren in der Verbrauchergunst. Zudem ist ökologischer Landbau ein Segen für die Umwelt. Immer mehr Landwirte sind zudem bereit, auf Öko-Landbau umzusteigen. Damit sollte eigentlich auch für die Politik alles klar sein. Ist es aber nicht. Denn es geht vor allem auf EU-Ebene um viel Geld und dessen Umverteilung auf Ebene der Mitgliedsländer. Wer heute von Agrarhilfen profitiert, will das auch morgen tun und Besitzstände wahren.

Deshalb wälzt die EU nun schon seit Mitte 2018 Pläne zu einer Reform der gemeinsamen Agrarpolitik, die ab 2020 für den nächsten Sieben-Jahres-Zyklus gelten soll. Bemerkenswert ist dabei, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die deutsche Position dazu immer noch nicht klar formuliert hat. Sie liefert zwar in Serie allgemeine Bekenntnisse pro Öko-Landbau, aber wenig Konkretes.

Welcher Anteil der EU-Agrarhilfen soll denn mittels welcher Kriterien an Ökolandbau geknüpft werden? In welchen Schritten und Zeiträumen wird umgeschichtet? Oder kommt doch nur Kosmetik und im Wesentlichen bleibt alles beim Alten? Die Bio-Lobby nennt eine Zahl für den Förderanteil der Öko-Landwirtschaft. 70 Prozent. Das klingt radikal angesichts der 15 Prozent, die es heute sind. Aber es ist wenigstens eine klare Ansage.

Auch Klöckner sollte damit herausrücken, was sie selbst konkret für richtig hält. Nimmt man zum Maßstab, was die Ministerin im Kampf gegen Zucker in Fertigprodukten fabriziert hat, indem sie auf freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie setzt, ist eine neue Enttäuschung programmiert.