Kommentar zur Lage bei Bayer: Es droht ein Debakel

Kommentar zur Lage bei Bayer : Es droht ein Debakel

Bayer droht bei der Hauptversammlung am Freitag in Bonn ein Debakel. Nicht nur Umweltschützer, sondern auch Großanleger sind nicht gut auf die Geschäftspolitik zu sprechen. Ein Kommentar.

Kursrutsch, zwei verlorene Schadenersatzprozesse rund um Glyphosat in den USA. Das wird kein leichtes Aktionärstreffen für die Bayer-Führung. Die ist zwar Kritik vor und während der Hauptversammlung gewöhnt, weil hier Imker Bayer-Mittel für das Bienensterben verantwortlich machen oder lokale Umweltgruppen sich gegen die CO-Pipeline wenden. Doch die Übernahme des US-Konzerns Monsanto dürfte zu Protesten in bislang nicht gehörter Lautstärke führen. Monsanto ist der Lieblingsgegner von Umweltschützern. Der Konzern setzt auf Gentechnik, ihm wird vorgeworfen, er gefährde die Biodiversität und nutze rüde Geschäftsmethoden. Und dann ist da noch der auch durch erstinstanzliche Urteile in den USA genährte Verdacht, Glyphosat könnte Krebs erzeugen.

Da fragen auch immer mehr institutionelle Anleger, ob die Bayer-Führung vor der Übernahme die Risiken ausreichend geprüft hat. Einflussreiche Stimmrechtsberater wie ISS und Glass Lewis empfehlen den Aktionären, den Vorstand nicht zu entlasten. Glass Lewis plädiert auch gegen die Entlastung des Aufsichtsrates. Und mit der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka hat bereits ein großer institutioneller Anleger angekündigt, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Das hat zwar keine direkten Folgen, ist aber ein starkes Misstrauensvotum. Wenn weitere Großanleger gegen die Entlastung votieren, kann die Hauptversammlung für die Bayer-Führung zum Debakel werden.

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