Kommentar zum Investitionsprogramm der Bahn: Eine Schlüsselrolle

Kommentar zum Investitionsprogramm der Bahn : Eine Schlüsselrolle

Im Schienennetz gibt es Investitionsbedarf. Eine Vereinbarung zwischen Bund und Bahn sieht gewaltige Summen dafür vor. Fehler der Vergangenheit können damit zumindest ansatzweise korrigiert werden, meint GA-Autor Jan Drebes.

Die Einigung für mehr Bahninvestitionen geht in die richtige Richtung. 86 Milliarden Euro für die kommenden zehn Jahre sind deutlich mehr als bisher – auch wenn die Rechnung wohl sämtliche Sonderprogramme beinhaltet. Massive Fehler der Vergangenheit können damit korrigiert werden, zumindest ansatzweise. Denn über Jahrzehnte wurde die Bahn aufs falsche Gleis gelenkt. Der Börsengang sollte erreicht werden, komme was da wolle. Einsparungen statt Investitionen waren die Vorgabe.

Das Ergebnis: marode Brücken und Schienen, veraltete Stellwerke, zu wenig Personal, zu viele Verspätungen, zu hohe Ticketpreise. Es ist gut, dass Bahn und Bundesregierung jetzt handeln. Die Frage ist jedoch, ob die riesige Summe ausreicht, wenn sich allein der Investitionsstau auf knapp 60 Milliarden Euro beläuft. Eigentlich wären rund zehn Milliarden Euro pro Jahr nötig, um die Bahn auf ein solides Schienennetz zu stellen. Das hat die Eisenbahn-Verkehrsgewerkschaft ausgerechnet. Mit dem neuen Investitionsprogramm sind für das Spitzenjahr 2029 mit 9,6 Milliarden Euro weniger vorgesehen.

Hinzu kommt ein Kapazitätsproblem, um all die nötigen Baustellen möglichst rasch abzuarbeiten. Die Bahnkunden werden sich auf Engpässe im Netz und damit zusätzliche Verspätungen einstellen müssen. Das kommt zur Unzeit. In den aktuellen Debatten um mehr Klimaschutz, eine Entlastung der Immobilienmärkte in den Städten und die Gleichwertigkeit vom Leben auf dem Land sollte die Bahn eine Schlüsselrolle einnehmen. Ein deutlich attraktiverer und kostengünstiger Nah- und Fernverkehr der Bahn ist die einzig sinnvolle Alternative zu Inlandsflügen und Pendelverkehr mit dem Auto.

Das gilt auch für das Transportwesen: LKW-Lasten gehören konsequent auf die Schiene. Hinzu kommt, dass häufig das Umland von Metropolen viel zu schlecht angebunden ist, teils mit nur einem Gleis. Das führt zu langen Taktabständen von S-Bahnen und Regionalzügen, die Orte bleiben für Pendler wenig attraktiv.

Für eine Entspannung am Immobilienmarkt in den Städten braucht es das Umland, für eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse auf dem Land eine sinnvolle Verkehrsanbindung. All das zeigt: Es genügt nicht mehr, den Geldfluss in den Bahn-Konzern zu erhöhen. Zumal auch die sich selbst ausbremsenden Strukturen des Unternehmens aufgebrochen gehören. Eine Bahnreform muss her, die eingebettet ist in sämtliche Maßnahmen für mehr Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum. Das wäre mehr als ein gutes Signal, es wäre dringend notwendig.