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Kommentar zu Postzustellungen: Ein schweres Päckchen

Kommentar zu Postzustellungen : Ein schweres Päckchen

Trotz zahlreicher Probleme der Paketbranche: Ein neues Gesetz, das Haftungsregeln für Firmen gegenüber Subunternehmern vorsieht, sei erstmal nicht notwendig, meint unsere Autorin.

Mit den Fahrern der großen Paketdienstleister kann man eigentlich nur Mitleid haben. Sie haben ein schweres Päckchen zu tragen – stehen unter einem enormen Zeitdruck, werden oft unter Mindestlohn bezahlt, und wenn sie unter Mühen die richtige Adresse gefunden haben, ist der Empfänger oft nicht zu Hause. Zugleich parken sie in der zweiten Reihe oder rasen durch Spielstraßen. Das wiederum gefährdet und belästigt die anderen Verkehrsteilnehmer.

Für den Onlinehandel zahlen Beschäftigte und Unbeteiligte also einen hohen Preis. Das kann so nicht bleiben. Wildwest-Methoden und Verstöße gegen das Arbeitsrecht müssen viel schärfer als bisher geahndet werden. Dafür ist der Zoll zuständig. Die Kunden werden sich auf realistische Preise einstellen müssen. Wer nicht selbst in einen Laden geht, spart Zeit, Fahrgeld und Parkkosten. Wahrscheinlich sind viele Kunden bereit, für ihre Pakete so viel zu entrichten, dass Lagerarbeiter und Auslieferer den Mindestlohn erhalten. Der Konkurrenzkampf der Versandhändler darf nicht auf dem Rücken ihrer Beschäftigten ausgetragen werden.

Ein neues Gesetz, das Haftungsregeln für Firmen gegenüber Subunternehmern vorsieht, ist erst einmal nicht notwendig. Die Bundesregierung sollte lieber die bestehende Regelung durch Kontrollen durchsetzen, als sich die nächsten Vorschriften auszudenken. Denn auch die Androhung hoher Strafzahlungen ist ein zahnloser Tiger, wenn nicht kontrolliert wird.