Reisen nach England erschwert: Die Folgen des Brexit für Verbraucher

Reisen nach England erschwert : Die Folgen des Brexit für Verbraucher

Kommt es zu einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU, treffen die Folgen auch deutsche Verbraucher. Importierte Medikamente könnten knapp werden, Handyanrufe von Reisenden teuer.

Ein „harter“ Brexit wird deutliche Auswirkungen haben nicht nur für die Wirtschaft allgemein, sondern auch für den einzelnen Verbraucher in der Europäischen Union.Das trifft nicht nur diejenigen, die nach Großbritannien reisen wollen, sondern auch Daheimbleibende – beim Online-Einkauf auf dem Sofa zum Beispiel. Denn wenn man über Plattformen wie Amazon einkauft, sollte man darauf achten, ob dort ein Drittanbieter aus Großbritannien seine Produkte anbietet. Dann könnten die Bestimmungen zum Widerrufsrecht vielleicht nicht denen der EU entsprechen, warnt Isabel Buscke, Leiterin des Brüsseler Büros des Verbraucherzentrale Bundesverbands In der EU gilt ein Widerrufsrecht von zwei Wochen.

Auch bei Arzneimitteln ist Vorsicht geboten, denn die Lieferketten sind eng verflochten. Monatlich werden nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller von der Insel 45 Millionen Arzneimittel in die EU exportiert. Da könnte es wegen der dann nötigen neuen Zulassungen doch zu Verzögerungen bei den Lieferungen kommen.

Wechselkurs könnte nachgeben

Am stärksten werden jedoch Reisende einen „no-deal“-Brexit spüren: In diesem Fall rechnen Experten damit, dass der Wechselkurs des britischen Pfunds nachgibt. Dann würde der Aufenthalt auf der britischen Insel für Reisende aus der EU günstiger. Ähnlich hatte das Pfund schon nach dem Referendum vor zwei Jahren reagiert. Ansonsten aber wird es eher Nachteile geben, sollten die Briten ohne Vereinbarung aus der EU ausscheiden. Denn damit werden verschiedene Verträge hinfällig, die Zollunion mit der EU gilt dann nicht mehr, als Nicht-Mitglied fiele Großbritannien dann auf den Status eines WTO-Mitglieds zurück. Das bedeutet zuallererst: Es können Zölle auf bestimmte Warengruppen erhoben werden. Auf Reisen darf man dann nicht mehr wie bisher 10 Liter Spirituosen mitnehmen, sondern nur noch einen Liter, statt 800 Zigaretten nur noch 200.

Teureres Telefonieren

Allerdings könnte sich dann der zollfreie Einkauf im Duty-Free-Shop lohnen. Etwas lästig könnten zudem die Einreisebedingungen werden. denn noch ist nicht klar, ob die Briten einen Reisepass verlangen werden. Bisher reicht der Personalausweis.

Kurzfristig, also um Ende März herum, könnte es für Flugreisen nach England, Nordirland, Schottland oder Wales schwierig werden. Notfallpläne sollen für einen geregelten Übergang sorgen. Die aber sind noch nicht endgültig abgestimmt. Denn mit einem harten Brexit würde Großbritannien nicht mehr zum Luftverkehrs-Binnenraum gehören, es müssten neue Vereinbarungen ausgehandelt werden. Besonders betroffen wären Fluggesellschaften, die mehrheitlich nicht in der Hand von Anteilseignern aus der EU sind, wie etwa Easyjet, Ryanair, aber auch Tuifly und Condor. Sie alle aber haben Pläne für verschiedene Szenarien entwickelt

Wer mit Bus oder Fähre in das Vereinigte Königreich reisen möchte, sollte darauf achten, ob der Busbetreiber in der EU zugelassen ist, ansonsten darf der Bus nicht starten. Auch bei Pauschalreisen lohnt ein Blick in die Unterlagen: Geht das Hotel pleite, ist man bei einem EU-Anbieter über europäisches Recht abgesichert, bei einem britischen Anbieter nicht zwangsläufig. Für diesen Fall empfehlen Verbraucherschützer eine Zusatzversicherung. Mit einem harten Brexit gelten auch die EU-Fluggastrechte für britische Fluggesellschaften nicht mehr, wenn die Briten die bisherigen Bestimmungen nicht in nationales Recht übernehmen. Nationales Recht gilt auch, sollte man auf britischem Boden einen Koffer verlieren.

Wie jetzt schon bei einer Reise in Länder außerhalb der EU muss man künftig auch an eine Auslandskrankenversicherung für die Zeit des Aufenthalts denken, und auch mobiles Telefonieren, Chatten oder Fotos versenden wird wieder teuer. Denn dann fallen wieder die Roamning-Gebühren an, die erst Mitte 2017 innerhalb der EU abgeschafft worden sind.

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