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ITB in Berlin: Die Deutschen sind so reiselustig wie nie

ITB in Berlin : Die Deutschen sind so reiselustig wie nie

Zum Start der Internationalen Tourismusbörse in Berlin ist die Branche in guter Stimmung. Dafür gibt es bei Urlaubern einigen Ärger.

Überfüllte Strände, anstehen vor vollen Cafés oder Gedränge im Museum: beliebte Ferienziele werden von Touristenmassen regelrecht überrollt. Das ärgert mittlerweile nicht mehr nur die einheimische Bevölkerung. Auch viele Gäste wünschen sich eine geruhsamere Umgebung. Das hat das Reiseunternehmen Travelzoo im Auftrag der Internationalen Tourismusbörse (ITB) mit einer Umfrage herausgefunden. Mehr als jeder zweite Befragte gab an, sich schon einmal über eine hohe Zahl an Touristen an seinem Urlaubsort geärgert zu haben.

Am häufigsten sagen dies erstaunlicherweise Chinesen mit 88 Prozent. Aber auch fast zwei Drittel der Franzosen und Deutschen nerven zu viele Mitreisende. Drei von vier Bundesbürger würden danach zwischen 100 Euro und 300 Euro mehr für eine einwöchige Reise bezahlen, 20 Prozent sogar 500 Euro, wenn sie dafür weniger andere Touristen sehen könnten. Wie die Reiseindustrie mit der Überlastung mancher Gebiete umgehen kann, werden Experten auf der an diesem Mittwoch beginnenden Reisemesse ITB debattieren. Ein Beispiel für eine bessere Steuerung der Touristenströme liefert gerade Venedig. Gäste müssen künftig zehn Euro Eintritt für eine Visite der überlaufenen Lagunenstadt bezahlen.

Auf der anderen Seite erfreut sich die Reisebranche einer bisher ungeahnten Nachfrage. „Die Bundesbürger sind 2018 so viel gereist wie noch nie und sie haben so viel ausgegeben wie noch nie“, sagte der Chef des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, kurz vor der Eröffnung der weltgrößten Reisemesse in Berlin. 68 Milliarden Euro gaben sie im vergangenen Jahr für Urlaubsreisen aus, fünf Prozent mehr als 2017. Davon profitierten vor allem die Veranstalter von Pauschalreisen. Sie konnten ihren Marktanteil auf nunmehr 53 Prozent steigern. Auf das laufende Jahr schaut die Branche jedoch mit einer gewissen Skepsis. Derzeit lägen die Buchungen zwei Prozent unter dem Vorjahreswert, erläuterte Fiebig. Insgesamt würden die Unternehmen aber noch mit einem leichten weiteren Wachstum rechnen.

Spanien als Zielort beliebter als Griechenland

Bei den beliebtesten Reisezielen hat sich wenig verändert. Spanien liegt weiter vor Griechenland und der Türkei. „Die Bundesbürger lieben das Mittelmeer“, stellt Fiebig fest. Während Spanien aktuell etwas weniger gefragt ist, schließt die Türkei an ihre besten Zeiten vor der politischen Krise der vergangenen Jahre an. In Spitzenzeiten zählte die Türkei 5,5 Millionen Besucher aus Deutschland. 2018 waren es nach einem tiefen Einbruch schon wieder über vier Millionen mit weiter wachsender Tendenz. Aber auch andere Mittelmeerländer profitieren von der hiesigen Reiselust. Ägypten, Tunesien, Bulgarien und Kroatien erfreuen sich einer wachsenden Gästeschar. Auch Deutschland verzeichnet als Reiseziel Rekordwerte. 477 Millionen Übernachtungen registrierte der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) im vergangenen Jahr.

Die Veranstalter der ITB sind ebenfalls zufrieden. Rund 10.000 Aussteller aus 18 Ländern sind in diesem Jahr auf der bis Sonntag dauernden Messe vertreten. Rund 100.000 Fachbesucher werden in den nächsten Tagen Geschäfte abschließen oder vorbereiten. Am Wochenende sind die Hallen unter dem Funkturm dann auch für die Öffentlichkeit geöffnet.