DHL 50 Jahre: Wichtigste Übernahme der Post

DHL feiert 50-jähriges Bestehen : So wurde DHL zur wichtigsten Übernahme der Post

Ihre Namen waren Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn. Als Unternehmensgründer in San Francisco hatten sie 1969 eine revolutionäre Geschäftsidee: Versandpapiere reisten Frachtschiffen per Flugzeug von Kalifornien nach Honolulu voraus. Das beschleunigte die Abfertigung des Warentransports deutlich.

Auf diese Weise erfanden Dalsey, Hillblom und Lynn den internationalen Express-Service. Die Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen bilden den Namen DHL. Das war vor 50 Jahren. Heute ist die Marke DHL weltweit bekannt.

In mehr als 220 Ländern und Territorien liefert das Unternehmen aus. Seit mehr als 20 Jahren ist DHL ein wesentlicher Bestandteil der Deutschen Post. Mittlerweile tritt auch das Paket- und E-Commerce-Geschäft der Post in Deutschland und weltweit unter dem Markennamen DHL auf. 380 000 Menschen arbeiten für DHL.

Das Bonner Unternehmen hat 1998 die ersten 22,5 Prozent der Anteile an DHL übernommen. Damals war DHL bereits Weltmarktführer bei Express-Sendungen. Die größten Anteilseigner an DHL International hießen Lufthansa Cargo AG und Japan Airlines mit jeweils rund 25 Prozent. Vorstandschef Frank Appel war in diesen Jahren bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig, die die Post in dieser Sache beriet.

"Die neunziger Jahre waren im Zuge der Postreform geprägt von zukunftsweisenden strategischen Veränderungen für die Deutsche Post, die uns von einem rein deutschen Postunternehmen hin zu einem Global Player und idealerweise zu einem weltweit führenden Logistiker machen sollten", sagte Appel dem General-Anzeiger. Es habe damals bereits Anzeichen dafür gegeben, dass sich das Kundenverhalten langfristig ändern werde und neben Briefen zunehmend elektronische und digitale Kommunikationswege in den Mittelpunkt treten würden.

Zu dieser Zeit dominierte das Faxgerät den Markt der schnellen schriftlichen Kommunikation, und die ersten Mobiltelefone waren auch schon verfügbar. "Internationalisierung war somit für die Deutsche Post das Gebot der Stunde", so Appel. Da dies aus eigener Kraft heraus zu lange gedauert hätte, kaufte die Post in den späten neunziger Jahren zahlreiche Unternehmen hinzu, darunter mehrere kleine Briefdienstleister in den USA, die schweizerische Speditionsfirma Danzas und Air Express International (AEI) sowie eine erste Beteiligung an DHL Express.

Zuvor hatte die Post TNT als Expresspartner genutzt. Vorstandschef war damals Klaus Zumwinkel. Er trieb die Internationalisierung des Unternehmens voran: "Da waren wir mit die Ersten und haben günstige Preise bezahlt", sagte Zumwinkel im Jahr 2000. Appel selbst wechselte in jenem Jahr als Zentralbereichsleiter für die Konzernentwicklung zur Post.

2002 wurde er zum Vorstandsmitglied bestellt. Zeitlich parallel baute die Post ihre Beteiligung an DHL aus. Bis Juli 2002 stieg die Beteiligung schrittweise, unter anderem mit dem Erwerb des 25-prozentigen DHL-Anteils von Lufthansa Cargo, auf eine Mehrheitsbeteiligung von insgesamt 75 Prozent. Im Dezember 2002 wurde DHL dann eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Post, mit damals weltweit über 71 000 Mitarbeitern und einem internationalen Netzwerk für den globalen Expressversand. "Das war für uns ein bedeutender Schritt auf dem Weg zum Weltmarktführer der Logistik", sagt Appel.

Auch wenn er noch nicht direkt in den Kauf involviert gewesen sei, so habe er doch mitbekommen: Der Erwerb von DHL sei ein langwieriger und herausfordernder Prozess gewesen, mit vielen Verhandlungen und Gesprächen mit den damaligen Anteilseignern, Investmentbanken und Kanzleien. "Nicht nur rückblickend war der Kauf von DHL ein genialer Coup, der aus einem bis dato reinem deutschen Post- und Paketunternehmen mit einem Schlag einen Global Player machte", so Appel.

Auch für den Börsengang der Post im Jahr 2000 sei die Übernahme eine wichtige Voraussetzung gewesen: Das neue Geschäftsfeld, die globale Aufstellung und die starke Marke DHL seien wichtige Bestandteile der sogenannten "Equity Story" gewesen, so Appel. Anders gesagt: Es gab genug Stoff für die Fantasie künftiger Aktionäre. Mit der Mehrheitsbeteiligung konnte der DHL-Umsatz auch in die Bilanz eingebracht werden. Im November 2000 beim Börsengang der Post sei die Nachfrage nach den angebotenen Aktien des Konzerns immens gewesen, Investoren und Kapitalmarktakteure waren vom Erfolg des Konzerns überzeugt und bestätigten damit, dass die Internationalisierungsstrategie der Deutschen Post richtig war, erinnert sich Appel.

Der Integrationsprozess des Unternehmens, das seinen Hauptsitz damals bereits in Brüssel hatte, in den deutschen Traditionskonzern habe sich eher allmählich vollzogen, denn natürlich habe es kulturelle Unterschiede gegeben.Deshalb seien die neuen Mitarbeiter zu Beginn "sanft herangeführt" worden, um die Flexibilität für das internationale Geschäft sowie den speziellen Unternehmensgeist zu erhalten.

DHL war im Gesamtvorstand vertreten, aber auf den Arbeitsebenen nur teil- und schrittweise integriert. Allerdings sei kaum zu überhören, dass seitdem deutlich häufiger Englisch im Konzern und in der Zentrale in Bonn gesprochen werde. Heute sei die Post das internationalste Unternehmen auf dem Globus, so Appel. Entsprechend viele Sprachen würden bei der Post gesprochen. Unabhängig von Nationalität, Religion oder Sprache zählten rund um die Welt zur Deutsche Post DHL Group rund 550 000 Kollegen. "Darauf blicken wir durchaus stolz, ebenso wie heute auf 50 Jahre DHL."

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