Konjunktur: Deutschland schrammt knapp an einer Rezession vorbei

Konjunktur : Deutschland schrammt knapp an einer Rezession vorbei

Die Wirtschaft wuchs 2018 erneut, wenn auch nicht mehr so stark. Experten sehen für das laufende Jahr einige Risiken. Dazu gehören der Brexit und der Handelsstreit.

Zum Ende des vergangenen Jahres ist die deutsche Wirtschaft wieder leicht gewachsen. Erste Schätzungen des statistischen Bundesamtes sprechen von einer „leichten Erholung im Vergleich zum Vorquartal“. Sollte sich dies bestätigen, wäre Deutschland gerade so an einer Rezession vorbeigeschrammt. Die ist laut Definition gegeben, wenn das Bruttoinlandsprodukt in zwei Quartalen in Folge schrumpft. Der leichte Anstieg im vierten Quartal lässt den Rückgang im dritten als eine Art Ausrutscher werten. Und die Wirtschaft insgesamt ist 2018 das neunte Jahr in Folge gewachsen.

Jedenfalls sind es nach wie vor die virulenten Probleme vor allem politischer Art, die auf Wirtschaft und Unternehmen lasten: Der Handelsstreit der USA mit China und anderen Ländern; auch der Brexit, dessen tatsächlicher Verlauf auch am Tage nach der Abstimmung im britischen Unterhaus unklar ist. Diese Unwägbarkeiten haben die Wirtschaft 2018 belastet und werden auch 2019 noch Spuren hinterlassen.

Nach den vorläufigen Zahlen des statistischen Bundesamtes ist die Wirtschaft 2018 unter dem Strich um 1,5 Prozent gewachsen. Immer noch ein deutliches Wachstum – aber auch das geringste seit 2013. In den beiden Jahren zuvor lag es noch bei jeweils 2,2 Prozent. „Gemessen an den hochfliegenden Erwartungen vor Jahresfrist hat die Konjunktur 2018 herb enttäuscht“, stellt Jörg Zeuner fest, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe. „Für das begonnene Jahr sind die Aussichten durchwachsen, vor allem weil die Großrisiken wie drohendes Brexit-Chaos und globale Handelskonflikte unverändert wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft hängen.“

Binnennachfrage läuft positiv

Im vergangenen Jahr sorgte unter anderem die Autoindustrie für einen Rückgang des Wachstums im dritten Quartal: Der Diesel-Skandal und Probleme mit dem Abgasprüfverfahren WLTP lasten auf der wichtigsten deutschen Wirtschaftsbranche, die Verkäufe sind im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Doch auch das abgebremste Wachstum in China hat zu den Rückgängen beigetragen.

Positiv dagegen läuft die Binnennachfrage – etwa der Konsum. Der ist mittlerweile für über die Hälfte des hiesigen Wachstums verantwortlich. Für Kauffreude sorgen hohe Beschäftigung und niedrige Arbeitslosigkeit. Die gute Lage am Arbeitsmarkt sorgt für mehr Geld in den Taschen der Verbraucher. Zudem ist Sparen angesichts des anhaltenden Nullzinsumfeldes wenig attraktiv.

Diese Bedingungen unter anderem sind es, die Ökonomen verhalten positiv stimmen. „Auch wenn die deutsche Wirtschaft den Höhepunkt im aktuellen Konjunkturzyklus hinter sich hat, hat sich die zwischenzeitliche Sorge vor einem Absturz wohl als übertrieben rausgestellt“, stellen die Volkswirte der Allianz-Gruppe fest. Zwar haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen heruntergesetzt. Dennoch reichen sie noch von 1,2 bis 1,8 Prozent Wachstum für 2019. Voraussetzung dafür allerdings ist, dass die latenten Risiken nicht durchschlagen.

Mehr von GA BONN