Konjunktur: Deutsche Wirtschaft spürt Gegenwind

Konjunktur : Deutsche Wirtschaft spürt Gegenwind

Das Bruttoinlandsprodukt ist erstmals seit 2014 gesunken. Ökonomen sehen im schwachen dritten Quartal aber keine Trendwende. Sowohl der Handelskonflikt der USA mit China als auch der mit Europa belasteten das Konjunkturklima.

Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal zum ersten Mal seit Anfang 2015 geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt ging um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück. Ein wesentlicher Grund dafür: Die Schwierigkeiten der deutschen Autoindustrie mit dem neuen Prüfverfahren WLTP: die verbindliche Einführung des neuen Emissionstestverfahrens habe einen Zulassungsstau ausgelöst, das Bruttoinlandsprodukt sei allein dadurch um 0,4 Prozent geschwächt worden, schrieb das Bundeswirtschaftsministerium. Entsprechend hatten die deutschen Autobauer ihre Produktion gedrosselt.

Ohne diese Schwierigkeiten wäre die deutsche Wirtschaft also sogar leicht gewachsen. Denn in Ausrüstungen wie Maschinen oder Anlagen sei mehr investiert worden, teilte das Statistische Bundesamt in seiner ersten Schätzung der Wachstumszahlen mit, Details folgen am 23. November. Auch die Bauindustrie legte zwischen Juli und September um 0,5 Prozent zu.

Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft insgesamt noch um 0,5 Prozent, im ersten um 0,4 Prozent gewachsen. Der Export war jedoch rückläufig, ebenso der private Konsum, der in den vergangenen Monaten mehr noch als der Export die Konjunktur gestützt hatte. Das dürfte nicht nur an der Zurückhaltung beim Autokauf wegen der Zulassungsprobleme liegen, sondern auch an der heißen Witterung im Sommerquartal. Der private Verbrauch werde aber wieder anziehen, glaubt Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Dekabank: „Die Arbeitsmarktlage in Deutschland ist einfach fantastisch, im nächsten Jahr stehen Lohnsteigerungen und Rentenerhöhungen an.“

Die meisten Ökonomen beruhigen, dass das schwache dritte Quartal noch keine Trendwende bedeute. Der deutsche „Konjunkturzug“ werde im vierten Quartal wieder Fahrt aufnehmen, ist Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, überzeugt, allerdings „ohne das hohe Tempo der jüngeren Vergangenheit so bald wieder zu erreichen“. Dafür sieht er verschiedene Gründe: zum einen ließen die Impulse aus der Weltwirtschaft nach, zum anderen würden die Kapazitäten, etwa auch am Arbeitsmarkt, immer enger. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, verweist jedoch auch auf den „China-Effekt“. Denn das Nachfragewachstum aus dem Reich der Mitte habe sich deutlich abgeschwächt. Das zeige sich in den Ausfuhren.

Handelskonflikte der USA mit China und Europa belasten

Sowohl der Handelskonflikt der USA mit China als auch der mit Europa belasteten, sagt Michael Holstein, Leiter Volkswirtschaft der DZ-Bank. Kurzfristig sehe er keine Entspannung: „Trotzdem läuft die Weltwirtschaft weiter ja insgesamt mit relativ guten Raten.“ Der Blick ins kommende Jahr sei jedoch mit „erheblichen Unsicherheiten“ verbunden, glaubt Andreas Rees von Unicredit Deutschland und verweist auf die nachlassenden Impulse der Steuerreform in den USA: Die Wirtschaft dort werde „über kurz oder lang ein oder zwei Gänge zurück schalten“. Und auch das könnte sich dann auf die deutschen Exporte auswirken. Ferner könnte der Haushaltsstreit der Europäischen Union mit Italien die Wirtschaftsentwicklung noch belasten, warnt Gregor Eder, Volkswirt der Allianz.