Zucker im Essen: Deutsche essen zu viel versteckten Zucker

Zucker im Essen : Deutsche essen zu viel versteckten Zucker

Laut Stiftung Warentest nimmt jeder Bundesbürger täglich 29 Stück Würfelzucker mit der Nahrung auf. Obwohl seit Jahren vor den Gesundheitsfolgen gewarnt wird, ändert sich nichts.

Die Deutschen essen zu süß. Die Barbecue-Soßen Bull´s Eye und Mississippi zum Beispiel: Wer davon einen guten Esslöffel nimmt, vertilgt drei Stückchen Würfelzucker, warnt die Stiftung Warentest in der neuen Ausgabe ihrer Zeitschrift „test“. Bei Ketchup sind es immerhin anderthalb Würfel. Auch andere Produkte haben es in sich, 60 nahmen die Tester insgesamt unter die Lupe.

Im Schnitt verbraucht ein Bürger am Tag 29 Stück Würfelzucker, mehr als acht sollten es laut Weltgesundheitsorganisation nicht sein. Anders gesagt: allenfalls 25 Gramm an zugesetztem Zucker täglich sind gesund. Zu viel Zucker macht Zähne kaputt, denn er fördert Karies. Und er macht dick, weil er viele Kalorien enthält. Da sind sich die Mediziner einig.

Das Gros des Zuckers sieht der Verbraucher allerdings nicht. Die Hersteller setzen ihn nicht nur Schokolade oder anderen Süßigkeiten zu, sondern auch Lebensmitteln, bei denen man es nicht ahnt. Darunter sind neben Fertigsoßen auch Frühstückscerealien.

So schreiben die Tester: „Eine Zuckerbombe sind Kellog´s Smacks“. Die bestünden zu 43 Prozent aus zugesetztem Zucker. Mit einer 60 Gramm Portion esse man acht Zuckerwürfel. Mit anderen Cerealien wie Nestlé Cini Minis oder Nesquick Duo Vollkorn seien es noch fünf. Eine bessere Alternative seien Haferflocken gemischt mit Trockenfrüchten. Diese hätten viel Fruchtzucker, punkteten aber mit Ballaststoffen.

Anderes Beispiel: Joghurt. Viele enthalten je 150 Gramm 12 Gramm Zucker, also vier Stück Würfelzucker. In manchen steckt sogar noch mehr, fanden die Tester heraus. Sie empfehlen: „Essen Sie Milchprodukte möglichst `natur´.“ Ein Teelöffel Marmelade oder Zucker schade nicht. Noch besser seien Nüsse und Obst dazu.

Im halben Liter Cola stecken 17 Stück Würfelzucker

Und Softdrinks? Sie sind längst als Zuckerwasser berühmt, die Menge erstaunt dann aber doch: In Coca-Cola Classic oder Pepsi stecken pro 0,5 Liter 17 Würfelzucker, in Orangina 15 und in Fritz-Limo 14. Die Weltgesundheitsorganisation hat Ende des vergangenen Jahres alle Regierungen der Welt aufgerufen, Steuern auf zuckrige Getränke zu erheben. Verbraucherschützer wie die Organisation Foodwatch schlossen sich dem in Deutschland an. Als Vorbild gilt Mexiko. Die Bevölkerung dort ist massiv von Übergewicht betroffen. Als die Regierung dann im Jahr 2014 eine zehnprozentige Steuer auf zuckerhaltige Getränke einführte, sank der Umsatz der Produkte innerhalb eines Jahres um zwölf Prozent.

Hierzulande ist in diese Richtung derzeit nichts geplant. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte: „Eine alleinige Zuckersteuer hilft wenig, die Ersatzstoffe sind zum Teil genauso gefährlich.“ Er plädiert für eine staatlich vorgegebene Ampelkennzeichnung: Die Farben Grün, Gelb und Rot sollen auf niedrigen, mittleren und hohen Gehalt an Zucker, aber auch an Fett und Salz hinweisen. Verbraucher könnten so Ungesundes auf einen Blick erkennen.

Die Bundesregierung hat bisher nur eine „Reduktionsstrategie Zucker, Fette und Salze in Fertigprodukten“ angekündigt. Hersteller sollen den Zuckeranteil zum Beispiel bis 2020 um mindestens zehn Prozent mindern. Doch noch immer ist unklar, für welche Produkte das gelten soll, beschlossen ist nichts. Die Tester stellen fest: „Fast alle Produkte unseres aktuellen Einkaufs enthalten etwa so viel Zucker wie die aus früheren Tests.“

Zucker-Verband: "Zucker macht weder dick noch krank."

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) in Bonn sieht in der Fokussierung auf einzelne Nährstoffe wie Zucker eine Verschleierung des eigentlichen Problems. Dies trage nicht zu einer Lösung bei, heißt es auf GA-Anfrage: „Zucker macht weder dick noch krank. Entscheidend für das Gewicht ist die Kalorienbilanz.“ Auch die Ampelkennzeichnung sieht die WVZ kritisch: „Einen schnellen Überblick über den Kalorien- und Nährstoffgehalt liefert die Nährwerttabelle, die auf jeder Produktverpackung zu finden ist.

Der Nährwertampel fehlt jede wissenschaftliche Basis. Schlimmer noch: Sie lenkt vom Kaloriengehalt ab und führt Verbraucher in die Irre.“ Außerdem bedeute weniger Zucker nicht gleich weniger Kalorien. Denn die entsprechenden Ersatzstoffe hätten meistens genauso, wenn nicht sogar mehr Kalorien als der Zucker selbst.

Mehr von GA BONN