Bonner Mediendienstes Forum Franchise und Systeme: Der Franchisewirtschaft fehlen die Partner

Bonner Mediendienstes Forum Franchise und Systeme : Der Franchisewirtschaft fehlen die Partner

Die Franchisewirtschaft, zu der Vertriebs- und Geschäftskonzepte wie Obi, Apollo und Vapiano gehören, hat Probleme, neue Partner zu finden. Der Umsatz steigt, die Partner bleiben aus.

Das Ergebnis einer Studie des Bonner Mediendienstes Forum Franchise und Systeme, die der Unternehmensberater Felix Peckert vorstellte lautet: Die Franchisewirtschaft, zu der Vertriebs- und Geschäftskonzepte wie Obi, Apollo und Vapiano gehören, hat Probleme, neue Partner zu finden. Während der Umsatz der Franchisesysteme der Studie zufolge im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent wuchs, stieg die Zahl der Franchisepartner lediglich um 1,2 Prozent auf 120.700.

Rein rechnerisch habe jedes System im Durchschnitt etwa 1,5 Franchisepartner netto hinzugewonnen. „Um nachhaltig zu expandieren, bedarf es bei den meisten Systemen mindestens zehn neuer Partner pro Jahr“, erklärte Peckert. Bundesweit gab es Ende 2017 950 Franchisesysteme mit über 161.700 Betrieben, das waren 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Investitionen liegen zwischen 75.000 und 125.000 Euro pro Betrieb

Das Problem der mangelnden Expansion existiert bereits seit einigen Jahren. Weil die Franchisegeber nicht genug neue Partner finden, gründen sie selbst Filialen. Dabei ist die Idee des Franchising gerade, dass selbstständige Unternehmer, die Franchisenehmer, neue Betriebe eröffnen. Sie schließen mit dem Franchisegeber einen Vertrag, der ihnen für einen bestimmten Standort erlaubt, ein erfolgreiches und erprobtes Unternehmenskonzept umzusetzen. Sie zahlen dafür eine Einstiegsgebühr und in der Regel eine umsatzabhängige monatliche Gebühr. Hinzu kommen die Investitionen, die der Franchisenehmer auf eigenes Risiko tätigen muss. Im Schnitt fallen pro Betrieb zwischen 75.000 und 125.000 Euro an.

In einem Handbuch sind alle Regeln niedergelegt

Im Gegenzug kann er eine Marke nutzen, profitiert vom gemeinsamen Marketing und den Innovationsideen des Franchisegebers. In einem Handbuch sind alle Regeln niedergelegt, die ihn binden.

Peckert, Chef vom Forum Franchise und Systeme, erklärte, der Einstieg in ein Franchisesystem biete sich gerade für Quereinsteiger an. Hier könnten konzernmüde Führungskräfte eine neue Aufgabe finden, die weniger risikoreich sei als der Aufbau eines völlig neuen Geschäfts. „Den eigenen Arbeitsalltag freier gestalten zu dürfen, ein spannenderes Aufgabenspektrum und mehr Entscheidungsfreiheiten zu haben, geben für viele den tatsächlichen Ausschlag.“

Bei Jörg Veil ist der „Knoten im Jahr 2016 geplatzt“. Veil ist geschäftsführender Gesellschafter von Home Instead in Köln. Das Unternehmen bietet Betreuungsdienste für Pflegebedürftige an, die so lange wie möglich in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung bleiben möchten. Die Haushaltshilfen sind von den gesetzlichen Pflegekassen anerkannt, das Konzept für das Geschäft kommt aus den USA. Home Instead ist 2008 in Köln gestartet, 2017 machte es schon knapp 45 Millionen Euro Umsatz, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von fast 90 Prozent. Veil hat bereits über 90 Verträge mit Franchisepartnern geschlossen.

Mit der EC-Karte beim Bäcker bezahlen

Die Back-Factory – ein Geschäft in der Region gibt es in Brühl – ist aus einer Selbstbedienungsbäckerei entstanden. Hinter ihr steht die Großbäckerei Harry-Brot. Heute bietet die 2002 gegründete Systemgastronomie belegte Brötchen, Wraps und Pizza an. Die 100 Filialen in Deutschland, davon die Hälfte geführt in Franchise, machten 2017 laut Geschäftsführer Peter Gabler einen Umsatz von 100 Millionen Euro.

Die neueste Geschäftsidee: An zehn Standorten kann der Kunde inzwischen mit der EC-Karte bezahlen: „Wer mit der EC-Karte einkauft, kauft mehr. Das hat ein unglaubliches Umsatzpotenzial“, erklärte Gabler. Wie in anderen Branchen ist auch im Franchisingbereich die Digitalisierung eine Herausforderung für die kommenden Jahre. Viele Betriebstypen müssten neu ausgerichtet und Geschäftsprozesse vor dem Hintergrund der Digitalisierung optimiert werden. Das werde sehr kostspielig werden, so Peckert.

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