Ratgeber Steuererklärung: Das können Sie beim Finanzamt absetzen

Ratgeber Steuererklärung : Das können Sie beim Finanzamt absetzen

Bis zum 31. Juli müssen die Formulare beim Finanzamt vorliegen. Wer seine Steuererklärung zu spät abgibt, muss mit einem Verspätungszuschlag rechnen. Das muss man wissen – ein Überblick.

Deutschlands Steuerzahler müssen sich ein neues Datum merken: Bis 2018 endete am 31. Mai die Abgabefrist für eine Steuererklärung ohne Unterstützung durch einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. Jetzt ist am 31. Juli die allgemeine Deadline. Doch die zwei Monate zusätzlich haben ihren Preis: Fristverlängerungen werden strenger verfolgt.

Wer seine Steuererklärung zu spät abgibt, muss mit einem Verspätungszuschlag rechnen. Wer erst nach dem 2. März 2020 unentschuldigt die Erklärung einreicht, muss automatisch mit einem Zuschlag von 25 Euro im Monat rechnen. „Wir raten in der aktuellen Lage dazu, sich zu beeilen“, sagt Isabel Klocke, Abteilungsleiterin Steuerrecht beim Bund der Steuerzahler. Sie warnt: „Es gibt Hinweise darauf, dass Verlängerungsanträge deutlich restriktiver gehandhabt werden.“ Wir erklären, worauf es ankommt.

Rechnungen: Erfahrungsgemäß erhalten Bürger rund 1000 Euro Steuern im Durschnitt zurück, wenn sie eine Erklärung abgeben. Um alle Ausgaben zu erfassen, müssen zuerst alle Belege sortiert werden. Es ist sinnvoll, die Kontoauszüge aus 2018 durchzuschauen, um keine Zahlungen zu übersehen. Das Zusammenstellen der Beträge in einer Liste reicht aus. Falsch wäre, Ausgaben anzugeben, die man nicht beweisen kann. „Auch im digitalen Zeitalter dürfen nur belegbare Ausgaben geltend gemacht werden“ sagt Frank Plankermann, Vorsitzender des Steuerberaterverbandes in Düsseldorf. „Das Finanzamt kann jederzeit Belege nachfordern. Wenn dann eine Trickserei auffliegt, gibt es kein Erbarmen.“

Krankheitskosten: Ausgaben wegen Unfällen, Pflege für Eltern, Krankheit oder für Brillen, Zahnspangen oder Hörgeräte können als außergewöhnliche Ausgaben angegeben werden. Das senkt die Steuerlast, wenn die zumutbare Belastung überschritten wird. Für Singles ab 51.130 Euro Gesamteinkommen liegt diese Grenze bei sieben Prozent der Einkünfte, bei einer Familie mit drei Kindern liegt die Grenze nur bei einem Prozent des Einkommen, sofern es unter 51.130 Euro liegt. „Die Bürger sollten vorsichtshalber alle Krankheitskosten angeben“, so Klocke. „Denn die Grenzen der zumutbaren Belastung könnten durch Gerichtsurteile noch sinken.“

Putzhilfen/Handwerker: Bis zu 20.000 Euro Lohnkosten können als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden. Es muss per Überweisung bezahlt worden sein, ein Fünftel des Betrages wird von der Steuerschuld abgezogen. Auch Gartenpflege oder Catering können so von der Steuer abgezogen werden. Nur die reinen Arbeitskosten abzüglich Materialkosten zählen dabei. Nach der gleichen Logik können Handwerkerlöhne bis 6000 Euro geltend gemacht werden, was maximal 1200 Euro Ersparnis bringen kann.

Riester-Rente: Steuerzahler sollten unbedingt Ausgaben für eine Riester-Rente angeben. Zumindest Gutverdiener haben einen höheren Steuervorteil durch die Riester-Rente als die reine Zulage.

Kapitalerträge: Viele Bürger versäumen, Freibeträge für ihre Geldanlage zu beantragen. Das führt dazu, dass Kapitalertragssteuern abgeführt wurden, obwohl Singles 801 Euro an Kapitaleinnahmen steuerfrei erhalten können. Bei Verheirateten liegt der Freibetrag bei 1602 Euro. Wenn der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt, lohnt es sich abseits vom Freibetrag Kapitalerträge anzugeben, weil diese dann weniger hoch versteuert werden. Um die Steuerlast zu begrenzen, ist außerdem sinnvoll, Aktienfonds über mehrere Jahre hinweg zu verkaufen statt die Gewinne alle auf einen Schlag zu realisieren.

Bewerbungskosten/Bildung: Arbeitnehmer sollten checken, ob sie Ausgaben für Bewerbungen oder Vorstellungsgespräche hatten. Die können abgesetzt werden, auch wenn der Job nicht gewechselt wurde. Der Fiskus erlaubt Arbeitnehmern auch, Ausgaben für ihre Weiterbildung inklusive Fahrtkosten, Lernmitteln, Gebühren oder Verpflegung als Werbungskosten anzugeben.

Arbeitsmittel: Bisher durften Arbeitnehmer Computer und ähnliche Geräte nur mit maximal 487,90 Euro in einem Stück absetzen. Jetzt dürfen sie sie mit maximal 952 Euro in einem Stück von der Steuer absetzen statt das Gerät oder die Anlage über mehrere Jahre von der Steuer abzuschreiben. Dabei gelten Computeranlagen als Einheit, außer wenn einzelne Geräte unabhängig genutzt werden.

Telekommunikation: Bei Smartphones, die beruflich eingesetzt werden, kann der Preis anteilig angesetzt werden. Gebühren für Telefonie und Internet können bis zu 20 Prozent von der Steuer abgesetzt werden, sofern eine berufliche Nutzung anzunehmen ist (insbesondere bei Home-Office).

Arbeitszimmer: Unter strengen Voraussetzungen können häusliche Arbeitszimmer mit bis zu 1250 Euro im Jahr geltend gemacht werden. Es muss sich um einen abgeschlossenen Raum handeln, der fast nie privat genutzt wird. Dem Steuerzahler darf kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. 2017 entschied der Finanzhof, dass ein Paar die 1250 Euro zweimal geltend machen kann, wenn es ein Zimmer gemeinsam nutzt.