Banken wollen keine Neugeschäfte: Das ist der Haken an offenen Immobilienfonds

Banken wollen keine Neugeschäfte : Das ist der Haken an offenen Immobilienfonds

In Zeiten von Niedrigzinsen werfen Offene Immobilienfonds noch ordentlich Rendite ab. Anleger müssen die Anteile daran zwei Jahre halten. Wer verkaufen möchte, muss ein Jahr vorher kündigen.

Offene Immobilienfonds sind weiter sehr beliebt. So beliebt, dass einige große Anbieter neue Mittel der Anleger vorerst nicht mehr annehmen. Denn sie möchten die Gelder nicht liegen lassen, sondern sie investieren. Da aber liegt der Haken: Denn so viele Immobilien gibt es am Markt derzeit nicht – beziehungsweise es gibt nicht so viele Immobilien, mit denen man eine auskömmliche Rendite erzielen kann, weil die Marktpreise ein so hohes Niveau erreicht haben So teilt die Deka, die Anlagegesellschaft der Sparkassen, den Instituten Kontingente zu. Die seien für dieses Jahr „weitgehend erschöpft“, sagt ein Sprecher der Deka. Sparpläne könnten aber immer noch bedient werden.

Ähnlich bei Union Investment: Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken verzichte bewusst auf Neugeschäft, sagte ein Sprecher. Schon im ersten Halbjahr hatte die Fondsgesellschaft mehr als eine halbe Milliarde Euro neue Gelder für offene Immobilienfonds angelegt. Deshalb nimmt man allenfalls kurzfristig neue Gelder an, wenn zeitnah in ein interessantes Objekt investiert werden kann. Ein Zeitfenster dazu gebe es wieder am 10. September.

Bei der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, ist nur der „Grundbesitz Fokus Deutschland“ geschlossen – das aber schon seit 2015. Bei Auflage ein Jahr zuvor habe man sehr schnell Mittel eingesammelt. Auch hier würden aber bestehende Sparpläne weiter ausgeführt, sagte ein Sprecher. Die in Europa beziehungsweise global anlegenden Fonds nehmen jedoch weiterhin frische Gelder an, dort werde sehr aktiv investiert beziehungsweise verkauft. Die Commerz Real nimmt nach eigenen Angaben für ihren Offenen Immobilienfonds „hausInvest“ jedoch weiter Gelder an. Dass die Fonds ihre Mittelzuflüsse so regulieren, liegt daran, dass sie nicht zu viel Liquidität halten möchten, weil das die Gesamtrendite der Fonds schmälert.

Im vergangenen Jahr haben die Publikumsfonds 6,2 Milliarden Euro eingesammelt. Aktuell halten sie nach der Fondsstatistik des Branchenverbands BVI ein Nettovermögen von 92,3 Milliarden Euro – ein Rekord. Die Branche ist also sehr optimistisch: von 19 befragten Anbietern schätzten Mitte des Jahres alle ihre Lage als gut oder sehr gut ein, hatte eine Umfrage der Rating-Agentur Scope ergeben. Das liege nicht nur an den steigenden Zuflüssen, sondern auch an steigenden Renditen, sagt deren Immobilienfondsanalystin Sonja Knorr. Die Bewertungen der Immobilien in den Fonds ziehe an. Außerdem steigt die Vermietungsquote, das bringt höhere Erträge und schlägt sich dann auch im Niveau der Rendite nieder. Die liegt für ein Jahr zum 31. Juli zwischen 1,9 und 3,4 Prozent, der recht neue „Swiss Life Living + Working“, der auch in Wohn- und Pflegeimmobilien investiert, schafft sogar 3,7 Prozent.

Die Manager der Fonds müssen am hochpreisigen Markt inzwischen auch in andere Immobilien wie Hotels oder Logistikimmobilien ausweichen – oder bei der Lage Abstriche machen. Das schadet nicht unbedingt der Rendite. Im Gegenteil, oft würden in „B-Lagen“ wegen der niedrigeren Anschaffungskosten sogar höhere Renditen erzielt, sagt Scope-Analystin Knorr. Es bestehe jedoch das Risiko, dass sie bei schlechter Marktlage schwerer wieder zu veräußern sind.

Immerhin aber können mit Offenen Immobilienfonds zumindest Renditen erzielt werden, die die von Zinsanlagen übersteigen. Sie bieten in Zeiten des Anlagenotstands eine Möglichkeit, die Gelder einigermaßen sicher und doch rentierlich zu investieren. Anleger müssen die Anteile jedoch zwei Jahre halten, wer verkaufen möchte, muss ein Jahr vorher kündigen – das gilt seit 2011.