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Ratgeber Unfallversicherung: Das bringt die private Unfallversicherung

Ratgeber Unfallversicherung : Das bringt die private Unfallversicherung

Verbraucher sollten genau überlegen, ob sie eine private Unfallversicherung wirklich brauchen. Gezahlt wird nur bei bleibenden Schäden.

Unfälle kommen vor, und oft bleiben dauerhafte Schäden zurück. Ist eine private Unfallversicherung sinnvoll? Für die Versicherer schon, denn sie verdienen gut daran. Die Kunden sollten sich über ihr Schutzbedürfnis klar werden und Vergleiche zwischen Tarifen und Anbietern ziehen.

Was ist ein versicherter Unfall?

Wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis eine unfreiwillige Gesundheitsschädigung erleidet. So steht es im Versicherungsvertragsgesetz.

Was heißt „unfreiwillig“?

Damit ist ausgeschlossen, dass jemand kassiert, der sich nach Abschluss einer hohen Versicherungssumme absichtlich verstümmelt. Oder: Wenn ein Versicherter in Kenntnis der Gefahr die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit testen will, könnte die Leistung verweigert werden.

Ist man abgesichert, wenn man stürzt?

Ein Sturz vom Fahrrad, beim Sport oder in der Wohnung – da ist man normalerweise auf der sicheren Seite. Als Einschränkung erweist sich der „Mitwirkungsanteil“ körperlicher Vorbelastungen. Wenn etwa ein gebrochener Oberarm trotz medizinischer Behandlung haltlos hin und her schlackert, weil der Versicherte unter Osteoporose leidet, können drastische Abzüge von der Leistung verfügt werden. Dann, so heißt es, hätten unfallfremde Krankheiten oder Gebrechen die Unfallfolgen mitbegründet.

Sind körperliche Vorbelastungen ein Vorwand für Kürzungen?

Die Abgrenzung ist oft schwierig. Der Versicherungs-Ombudsmann erklärt in seinem Jahresbericht 2015, die Bemessung unfallfremder Mitwirkungsfaktoren durch medizinische Gutachter sei über die Jahre hinweg ein immer wiederkehrender Schwachpunkt in der privaten Unfallversicherung. Manche Versicherer bieten Tarife an, die auf die Anrechnung von Mitwirkungsfaktoren ganz verzichten, was sich wahrscheinlich in der Höhe des Beitrags ausdrückt.

Worüber gibt es sonst noch Streit zwischen Versicherer und Kunden?

Nach Angaben des Aufsichtsbehörde Bafin beziehen sich Beschwerden spartenübergreifend oft auf das Regulierungsverhalten der Versicherer, auf verzögerte Schadenbearbeitung und die Höhe der Leistung.

Zahlt die Versicherung gleich nach dem Unfall?

Nein. Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass der Unfall eine bleibende Schädigung nach sich ziehen muss. Bricht man sich die Knochen, die wieder verheilen, gibt es keine Entschädigung. Bis zur endgültigen Diagnose kann es dauern.

Hängt der Versicherte solange in der Luft?

Mehr oder weniger. Wenn dem Grunde nach ein Dauerschaden anzunehmen ist, das Ausmaß der Invalidität aber noch nicht feststeht, kann der Versicherer eine Abschlagszahlung leisten.

Wenn die Invalidität ärztlich bestätigt ist, wird dann die vereinbarte Versicherungssumme fällig?

Das wäre schön. Die Zahlung wird nach der Gliedertaxe berechnet. Eine verlorene oder funktionsunfähige Hand wird mit 70 Prozent der Versicherungssumme angesetzt, ebenso ein Arm oder ein Bein. Ein Auge ist 55 Prozent „wert“. Mehr als 100 Prozent gibt es aber nicht.

Wie werden Beiträge berechnet?

Die Beiträge richten sich nach Angaben der Gothaer Versicherung nach der Höhe der Versicherungssumme, dem Lebensalter und danach, ob der Versicherte körperlich tätig ist oder nicht. Körperliche Tätigkeit bedingt ein höheres Risiko. Als Beispiele werden gern Dachdecker und Bauarbeiter zitiert. Sie zahlen deutlich mehr als Angestellte mit sitzender Tätigkeit.

Warum spielt das Lebensalter eine Rolle?

Die Statistik der Versicherer zeigt, dass 60- bis 67-Jährige mehr Unfälle erleiden als jüngere Leute. Am geringsten ist das Risiko danach zwischen 20 und 39 Jahren.

Kann man konkrete Beiträge nennen?

Experten schätzen, dass ein 20-Jähriger mit einem Standardvertrag ohne Extras bei 100.000 Euro Versicherungssumme und nicht körperlicher Tätigkeit etwa 90 Euro im Jahr entrichten muss, ein 40-Jähriger mit körperlicher Tätigkeit rund 190 Euro. Das sind Durchschnittswerte.

Gibt es Alternativen zur privaten Unfallversicherung?

Die gesetzliche Unfallversicherung schützt Arbeitnehmer, Schüler, Studenten, Kinder in Kindergärten und bei Tagesmüttern, aber nur während der Tätigkeit oder des Aufenthalts sowie auf direkten Hin- und Rückwegen. Die Versorgung nach Arbeitsunfällen ist gut. Bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20 bis 100 Prozent wird eine Unfallrente gezahlt, solange die Behinderung besteht. Die Rente orientiert sich am Nettobetrag des letzten Jahresarbeitsentgelts.

Arbeitnehmer brauchen demnach keine Unfallversicherung?

Das kann man so nicht sagen. Die Privatversicherer verweisen darauf, dass die meisten Unfälle in der Freizeit passieren und dass die private Versicherung rund um die Uhr und weltweit gilt.

Und wie kann man sich sonst absichern?

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt denjenigen, die es sich leisten können, eine Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU). Sie zahlt nicht nur bei unfallbedingter, sondern auch bei krankheitsbedingter Berufsunfähigkeit. Allerdings ist die BU viel teurer als eine Unfallversicherung.

Verdienen die Versicherer gut in der Unfallsparte?

Die Unfallversicherung ist kein Verlustgeschäft, sondern eine lukrative Sparte. Nach Angaben des Spitzenverbandes GDV wurden 2016 von 6,4 Milliarden Euro an Beitragseinnahmen nur 78 Prozent für Schäden und Kosten (Combined Ratio) aufgewandt.