Kommentar zu Streetscooter: Braut

Kommentar zu Streetscooter : Braut

Der Gang nach China ist ein Befreiuungsschlag für Streetscooter, findet GA-Redakteurin Claudia Mahnke. So werde es auch immer unwahrscheinlicher, dass die Post den Streetscooter allein weiterbetreibt.

Der Schritt der Deutschen Post, das Elektrofahrzeug Streetscooter künftig mit einem Partner in China zu bauen, ist zumindest ein kurzfristiger Befreiungsschlag. Nachdem die Verkäufe in Deutschland stockten und die Suche nach einem Partner, der ins Unternehmen einsteigt, erfolglos blieb, gibt es für das Tochterunternehmen wieder eine Perspektive. Sie lautet: Die Braut wird hübsch gemacht für einen Partner, Käufer oder Börsengang. Alle Möglichkeiten sind für Post-Verantwortliche denkbar. Die Größe des chinesischen Marktes mit den entsprechenden Absatzmöglichkeiten soll bei Interessenten offenbar die Phantasie wecken, die das eher schmucklose Fahrzeug bislang nicht hervorrief.

Mit dem Schritt nach China wird immer unwahrscheinlicher, dass die Post den Streetscooter alleine weiterbetreibt. Die Investitionen von 500 Millionen Euro in China sind zwar alleine zu stemmen, doch je größer der Autobauer wird, desto stärker sind die Zeichen für eine Abgabe. Auch die Tatsache, dass die Post Pläne für eine Fertigungsstätte in den USA bestätigt, sind weitere Rüschen am Brautkleid des Elektroautobauers.

Es ist nicht ungeschickt von den derzeitigen Eigentümern, auf den Weltmarkt zu setzen. Denn die Klimadebatte zwingt auch andere Staaten zu neuen Verkehrskonzepten. Allerdings ist natürlich gerade in China bei Gemeinschaftsunternehmen der unerwünschte Technologie- und Know-how-Abfluss ein Thema. Aber die technische Vorreiterrolle bei Elektro-Lieferwagen, die der Streescooter vor einigen Jahren hatte, ist mittlerweile ohnehin verloren gegangen.

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