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Mobilität: BMW und Daimler kooperieren bei selbstfahrenden Autos

Mobilität : BMW und Daimler kooperieren bei selbstfahrenden Autos

Eigentlich liefern sich die Autobauer BMW und Daimler einen harten Wettbewerb um zahlungskräftige Kunden. Doch jetzt bündeln sie ihre Kräfte beim automatisierten Fahren. Doch die Nase vorn haben andere.

Daimler und BMW wollen die Technologien gemeinsam entwickeln. Mitte des nächsten Jahrzehnts sollen selbstfahrende Autos weit fortgeschritten sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mögen sich die Rivalen BMW und Daimler auf einmal?

Über Jahrzehnte lieferten sich die beiden Premium-Hersteller einen harten Wettbewerb um zahlungskräftige Kunden. Inzwischen hat sich das bisweilen angespannte Verhältnis der Konzerne zueinander entspannt. Vor nicht einmal einer Woche verkündeten die Vorstandschefs Harald Krüger von BMW und Dieter Zetsche von Daimler die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für Mobilitätsdienste wie das Carsharing. Nun folgt der nächste, wegweisende Schritt. Beide Hersteller wollen die Technologien für selbstfahrende Autos gemeinsam entwickeln. Dahinter steckt nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer die Einsicht, dass der gewaltige finanzielle Entwicklungsaufwand von einem Unternehmen allein kaum in der notwendigen Geschwindigkeit aufgebracht werden könnte.

Steckt künftig in beiden Marken dieselbe Technik?

Das wird nur sehr begrenzt der Fall sein. Es geht eher darum, Module für die verschiedenen Einsatzfelder des automatisierten Fahrens zu entwickeln, die beide Partner dann nutzen können. Die Palette reicht von der Einparkhilfe bis hin zum führerlosen Fahren auf der Autobahn. Schritt für Schritt soll es dann in Richtung eines vollständig selbstfahrenden Fahrzeugs gehen. Die Autos entwickeln und bauen die Hersteller weiter selbst und bleiben damit auch Wettbewerber.

Was planen die beiden Konzerne konkret?

In einem ersten Schritt beschleunigen Daimler und BMW die Entwicklung von Fahrassistenzsystemen. Dazu kommen Technologien für das automatisierte Fahren auf Autobahnen und automatische Einparksysteme. Gemeinsam erhoffen sich die Partner eine schnellere Einführung von Innovationen. Das langfristige Ziel reicht noch weiter. Daimler und BMW wollen dann auch das voll automatisierte Fahren auf Autobahnen und in Städten in Angriff nehmen.

Was können die Autos der beiden Hersteller heute schon?

Der aktuelle Stand entspricht einer Teilautomatisierung. Mercedes-Fahrer können beispielsweise automatisch den Abstand zum vorausfahrenden Fahzeug auf der Autobahn halten oder sich beim Bremsen und Einparken helfen lassen. BMW setzt verschiedene Assistenzsysteme ein, etwa um die Spur oder das Tempo zu halten.

Ist Kooperation die Zukunft der deutschen Automobilindustrie?

Davon ist Daimler-Forschungschef Ola Källenius überzeugt. „Autonomes Fahren ist für uns einer der revolutionärsten Trends“, sagt er. Zusammen mit den richtigen Partnern wolle man die Leistungsfähigkeit dieser Technologie maßgeblich vorantreiben. Die Allianz der beiden deutschen Konzerne ist für die Beteiligung weiterer Unternehmen offen. Bisherige Kooperationen der Konzerne mit anderen Herstellern oder Zulieferern bleiben wohl auch bestehen. Auto-Experte Dudenhöffer hält beispielsweise eine Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Geely für denkbar. Dessen Besitzer ist Großaktionär bei den Stuttgartern. Der Forscher bedauert, dass Volkswagen nicht mit im Boot sitzt, sondern auf eigene Faust in das automatisierte Fahren einsteigt.

Sind die Deutschen damit weltweit führend?

Davon sind Daimler und BMW noch ein gutes Stück weit entfernt. Die US-Unternehmen Waymo und Uber, möglicherweise auch Apple haben die Nase vorn. Vor allem die Google-Tochter Waymo verfügt über einen großen Vorsprung. Da der Gewinn aus dem Automobilgeschäft in absehbarer Zukunft vor allem aus intelligenter Softwarelösungen stammen dürfte, ist die nun gestartete Aufholjagd der Angst geschuldet, den Anschluss zu verlieren.

Können deutsche Hersteller dauerhaft selbstständig bleiben?

Eine weitergehende Zusammenarbeit der Luxushersteller halten Fachleute für unwahrscheinlich. Die Fahrzeuge von Mercedes und BMW bleiben in ihren jeweiligen Häusern. Gefahren für die Branchenriesen resultieren eher aus der aufkommenden Elektromobilität. Es könnten durch die vergleichsweise einfache Konstruktion viele neue Wettbewerber auf den Markt drängen.