Digitaler Euro : Banken wollen digitalen Euro

Der Streit um die Kryptowäjhrung spitzt sich zu. Kreditinstitute fordern jetzt Gegengewicht zur Facebook-Währung Libra.

Ziemlich einig sind sich Staaten, Regierungen und Banken in der Frage Libra: Sie lehnen die von Facebook geplante Digitalwährung ab. „Man kann davon ausgehen, dass das auf keine Gegenliebe der Staatengemeinschaft stößt“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf der IWF-Tagung in Washington. Denn Währungen seien die Sache demokratisch gewählter Regierungen. Private Konzerne oder Firmen sollten keine Währungen herausgeben, die dann in Konkurrenz zu staatlichen Währungen stünden, etwa dem Euro oder dem Dollar. Und Facebook werde es auch nicht gelingen, eine solche Weltwährung zu etablieren.

Deutliche Worte fand auch sein Amtskollege aus Frankreich, Bruno Le Maire. „Libra ist auf europäischem Boden nicht willkommen“, sagte er. Denn das Vorhaben gefährde die Souveränität der Staaten. Mit diesem Urteil steht Le Maire nicht allein. Denn nach den G7 hat sich auch die Gruppe der weiter gefassten G20-Finanzminister gegen die Facebook-Coins ausgesprochen.

Die Kritik verwundert nicht – und sie existiert seit dem Tag, an dem das Online-Netzwerk angekündigt hat, eine eigene Währung einzuführen. Zwar ist Libra als „Stable Coin“ konzipiert: stabil und wenig schwankungsanfällig soll sie sein durch die Bindung an einen Korb realer Währungen und die Absicherung durch Staatsanleihen. Das birgt andererseits aber auch ein massives Problem. Denn je größer dieser Reservefonds an realen Währungen anschwillt, desto schwerwiegender wären die Konsequenzen, sollte ein Fehler passieren oder das Vertrauen schwinden. Und nach den Datenskandalen bei Facebook ist das mit dem Vertrauen eine ziemlich heikle Sache.

Zudem hat Facebook mittlerweile 2,4 Milliarden Nutzer. Allein in Bezug auf die Reichweite würde Libra auf einen Schlag zur potenziell meistgenutzten Währung global aufsteigen können. Ganz zu schweigen eben vom Volumen möglicher Geldströme. Deswegen sehen viele Regierungen ein ernsthaftes Problem für die Finanzstabilität durch Libra. Und ein potenzielles Einfallstor für mögliche Geldwäsche oder die Finanzierung anderer illegaler Geschäfte bis hin zur Terrorfinanzierung.

Auch Banken ist die Währung ein Dorn im Auge – allerdings aus ganz anderen Gründen. Denn digitale Währungen machen grundsätzlich bei Transaktionen zwischen zwei Teilnehmern eine dritte Partei wie eine Bank unnötig. Mit anderen Worten: Digitale Währungen, so sie denn als solche im Handel Einzug erhielten, gefährden eines der Geschäftsmodelle von Banken. „Die Buchhaltung in den Back Offices der Banken wird überflüssig“, bringt Hendrik Leber vom Vermögensverwalter Acatis das auf den Punkt.

Denn die Idee hinter Kryptowährungen ist einfach: Mithilfe digitaler Währungen können beliebige Nutzer untereinander online Geld transferieren – ohne hohe Gebühren an vermittelnde Banken zahlen zu müssen. Das käme auch Verbrauchern zugute.

So gesteht auch der deutsche Bankenverband ein, dass digitale Devisen den weltweiten Zahlungsverkehr wesentlich effizienter machen könnten. „Wir brauchen in Europa deswegen den digitalen Euro“, sagte Bankenverbandspräsident Hans-Walter Peters am Rande des IWF-Treffens. „Private Währungen, die ein mehr oder minder ungeregeltes Eigenleben führen, dürfen die staatliche Geldordnung nicht untergraben.“ Wenn Europa sich bei diesem Thema aber nicht bewege, würde es von anderen bewegt oder getrieben. Eine Hürde bei jeder Form eines neuen digitalen Zahlungsmittels werden Mechanismen sein, um Geldwäsche oder andere kriminelle Geschäfte zu unterbinden. Denn die Möglichkeit hierzu ist in Digitalwährungen nach Art des Bitcoin auf Grund der Anonymität der Nutzer angelegt.

Zweitens muss jede künftige Währung das Vertrauen von Nutzern gewinnen. Denn ohne das – das hat die Geschichte immer wieder gezeigt – kann keine Währung auf Dauer überleben. Und so könnte sich auch das Thema Libra quasi von selbst erledigen. Denn hierzulande hat eine Umfrage der Wirtschaftswoche unlängst ergeben, dass knapp dreiviertel der Menschen Libra nicht nutzen würden. Zum einen, weil sie Facebook nicht trauen; zum anderen, weil sie grundsätzlich nur staatlichen Währungen vertrauen.

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