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Bahn-Krise: Bahnchef Lutz dreht an kleinen Stellschrauben

Bahn-Krise : Bahnchef Lutz dreht an kleinen Stellschrauben

Dreimal bereits haben sich Bahnchef Richard Lutz und Verkehrsminister Andreas Scheuer in diesem Jahr schon getroffen, um über die Zukunft der Bahn zu sprechen. Was die Krisentreffen gebracht haben? Eine Bestandsaufnahme.

Schnelle Erfolge bei der Modernisierung der Deutschen Bahn sind auch nach drei Spitzentreffen zwischen Bahnvorstand und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nicht zu erwarten. „Es gibt leider keinen Knopf, den man drückt, und es wird alles sofort besser“, sagte Bahnchef Richard Lutz auf einer Fachtagung in Berlin. Immerhin will das Unternehmen mit einer Reihe von Sofortmaßnahmen die Pünktlichkeitswerte verbessern.

Dafür dreht Lutz an auf den ersten Blick kleinen Stellschrauben mit großer Wirkung. Dazu gehört, die Züge zunächst einmal pünktlich abfahren zu lassen. Dafür sollen Einsatzteams an den wichtigsten Knotenbahnhöfen sorgen. In Köln wurde dies erfolgreich erprobt. Statt früher nur 43 Prozent der Züge starten nun doppelt so viele pünktlich ihre Reise. Verbesserungen bringen auch sogenannte Plankorridore. Auf besonders belasteten Strecken wie zwischen Dortmund und Köln sorgen Teams für eine bessere Abstimmung der Baumaßnahmen mit den Fahrplänen. Auf diese Weise entstehen weniger Verspätungen mit Auswirkungen auf das gesamte Schienennetz. In diesem Jahr werden rund um Hamburg, zwischen Fulda und Mannheim sowie Würzburg und Nürnberg weitere Korridore intensiver gemanagt.

Scheuer und Lutz gaben sich beim gemeinsamen Auftritt am Donnerstag sichtlich Mühe, Einigkeit zu demonstrieren. Dabei musste die Bahn in den letzten Wochen einige Kritik aus dem Ministerium einstecken. Der Minister nutzte die Gelegenheit, um den Vorwürfen des Bundesrechnungshofs entgegenzutreten. Die Kassenprüfer halten die Bahnreform für gescheitert und werfen dem Bund vor, sich nicht ausreichend um den Konzern zu kümmern. Die Kritik sei „überzogen“, sagt Scheuer, „vieles ist einfach falsch.“ Die Verkehrsleistung der Bahn sei schließlich in den letzten 25 Jahren gestiegen und mehr Wettbewerb im Schienenverkehr entstanden. Auch der Forderung nach einem Ende der Auslandsaktivitäten mag sich Scheuer nicht anschließen. „Ich will keine national abgeschottete Bahn“, stellte er klar und kündigte schließlich noch einen Schienengipfel im kommenden Sommer an.

Die entscheidende Frage ließen aber beide außen vor. Die Bahn braucht Milliardenbeträge, um die notwendigen Investitionen zu finanzieren. Dabei geht es um zwei Ebenen. Der Konzern benötigt Geld für neue Züge, zusätzliches Personal und Investitionen in einen besseren Service. Da das Unternehmen mit rund 20 Milliarden Euro bereits an seiner Schuldenobergrenze angelangt ist, müssen sich Bund und Bahn über eine weitere Finanzierung verständigen. Drei Möglichkeiten gibt es dafür. Der Bundestag könnte dem Unternehmen weitere Kredite genehmigen oder der Bund direkt Geld an die Bahn überweisen. Schließlich bleibt als Option noch der Verkauf der britischen Tochter Arriva, was bis zu vier Milliarden Euro einbringen könnte. Beim letzten Spitzentreffen gab es keine Entscheidung darüber. Hier hat der Bundestag ein Wörtchen mitzureden.

Zweitens muss der Bund wohl mehr Geld in das Netz investieren, für das er verantwortlich ist. Insbesondere die Digitalisierung der Trassen wird teuer. Die Rede ist von rund 30 Milliarden Euro in den kommenden 20 Jahren. Wenn tatsächlich mehr Verkehr auf die Gleise gebracht werden soll, sind diese Investitionen unerlässlich, weil nur so die begrenzte Kapazität des Netzes erhöht werden kann. Eine Entscheidung darüber wird es wohl erst im Verlauf des Jahres geben.

So bleibt für die Kunden erst einmal nur das Prinzip Hoffnung, dass die kurzfristigen Maßnahmen das Bahnfahren zuverlässiger machen. An einer mangelnden Nachfrage der Kunden liegt die Krise des Konzerns jedenfalls nicht. Laut Lutz ist die Zahl der Fahrgäste im Januar um vier Prozent gestiegen. Dabei gab es schon im vergangenen Jahr einen neuen Passagierrekord.