Dax-Konzern unter Druck: Bafin verbietet Wetten auf Wirecard-Verluste

Dax-Konzern unter Druck : Bafin verbietet Wetten auf Wirecard-Verluste

Die Deutsche Finanzaufsicht unterbindet Spekulation mit der Wirecard-Aktie im In- und Ausland. Münchner Staatsanwälte ermitteln in dem Zusammenhang gegen einen Journalisten wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Bis 18. April herrscht nun erst einmal Flaute für diejenigen, die auf weitere Kursstürze der Wirecard-Aktien wetten wollten. Denn so lange gilt das von der Bafin verhängte Verbot von Leerverkäufen der Wirecard-Papiere. Die Finanzaufseher hegen den Verdacht, dass Wirecard Opfer von Short-Attacken sein könnte. Damit sind Wetten auf fallende Kurse gemeint, die man durch sogenannte Leerverkäufe eingehen kann.

Dabei geht die Finanzdienstleistungsaufsicht von einer ernstzunehmenden Bedrohung für Finanzstabilität und Marktvertrauen aus, die durch die jüngsten Kursschwankungen der Wirecard-Aktien entstanden sind. „Seit Ende Januar haben wir wiederholt negative Presseberichte gesehen und entsprechend starke Kursbewegungen beobachtet“, sagte Bafin-Sprecherin Anja Schuchhardt. „Wir haben darüber hinaus einen deutlichen Anstieg der Netto-Leerverkaufs-Positionen in Aktien der Gesellschaft identifiziert. Vor diesem Hintergrund haben wir uns für das Verbot als marktschützende Maßnahme entschieden“.

Bei Leerverkäufen leiht sich ein Investor gegen eine Gebühr Aktien von einem anderen Investor für bestimmte Zeit. Zu Beginn dieses Zeitraums verkauft er die Aktien. Fällt der Kurs, kann er sie sich billiger zurückkaufen – und hat Profit gemacht.

Im Fadenkreuz von Spekulanten

Es ist nicht das erste Mal, dass Wirecard Opfer von Spekulanten ist. So hatte beispielsweise vor gut zehn Jahren der Chef der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei Wirecard geäußert. Pikanterweise stellte sich im Nachhinein heraus, dass er selbst auf einen fallenden Kurs des Unternehmens gewettet hatte. Deswegen wurde er wegen Markmanipulation verurteilt. „Warum ist gerade Wirecard immer wieder von solchen Spekulationen betroffen?“, fragt Klaus Nieding, Aktionärsschützer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Es ist eine rhetorische Frage. „Das kann daran liegen, dass Wirecard von außen undurchschaubar erscheint und nicht ganz so transparent ist, wie das bei anderen Aktiengesellschaften der Fall ist. Und das Management hat – ich sage es einmal vorsichtig – im kommunikativen Bereich Nachholbedarf“.

Im jüngsten Fall ist noch nicht klar ersichtlich, was wirklich vorgefallen ist. Doch es gibt einmal mehr Hinweise darauf, dass Wirecard ins Fadenkreuz von Spekulanten geraten sein könnte. So hat die Staatsanwaltschaft München ihre Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation ausgeweitet. Aufgrund einer Strafanzeige gegen einen Journalisten der „Financial Times“ werde dieser nun als Beschuldigter geführt.

Die FT hatte Ende Januar und danach Artikel veröffentlicht, in denen über Fehlverhalten von Wirecard-Mitarbeitern in Singapur geschrieben wurde. Daraufhin krachte der Börsenkurs in den Keller. Bis Anfang der Woche lag der Verlust nach den Berichten der Financial Times bei rund 40 Prozent. Nach dem Verbot von Leerverkäufen erholten sich die Titel gestern und kletterten als Tagessieger im Dax um satte 13 Prozent.

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