Kommentar zur Übernahme von Air Berlin durch Lufthansa: Auf Kosten der Reisenden

Kommentar zur Übernahme von Air Berlin durch Lufthansa : Auf Kosten der Reisenden

Wenn die Lufthansa mit ihrer Tochter Eurowings erst einmal einziger Anbieter auf manchen innerdeutschen Strecken ist, steigen auch die Preise, meint GA-Kommentatorin Delphine Sachsenröder.

Einen „großen Tag“ nennt Lufthansa-Chef Carsten Spohr das Datum der Vertragsunterzeichnung zur Teilübernahme von Air Berlin. Für die Reisenden in Deutschland dürfte sich die Übernahme langfristig eher als schwarzer Tag entpuppen.

Denn trotz aller anderslautender Beteuerungen der Lufthansa: Flüge innerhalb Deutschlands werden teurer werden, wenn die EU-Wettbewerbsbehörden den Deal wie geplant durchwinken. Der Kauf von Air Berlin mit ihren wertvollen Start- und Landerechten stärkt die gemeinsame Vormachtstellung der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings im Inland deutlich. Wenn sie manche Strecken künftig ohne Konkurrenz fliegen, können sie die Preise gefahrlos erhöhen – es sei denn, die Kunden steigen in die umweltfreundlichere Bahn um.

Dass sich Mutter Lufthansa und Tochter Eurowings einen Preiskampf liefern, wie Spohr verkündet, kann man getrost als PR-Märchen abtun. Auch bei den Wettbewerbshütern in Brüssel wird diese abenteuerliche Theorie auf wenig Verständnis treffen.

Sie werden den Fall auch deshalb genau unter die Lupe nehmen, weil vieles darauf hindeutet, dass die Übernahme des Air-Berlin-Hauptanteils durch die Lufthansa ein unter Regie der Bundesregierung langfristig abgekartetes Spiel war. Auch der Staatskredit über 150 Millionen Euro an Air Berlin kann nachträglich eher als Werbegeschenk vor der Bundestagswahl eingeordnet werden. Trotz der Finanzspritze aus Steuergeldern bleibt die Zukunft Tausender Jobs ungeklärt, und zahlreiche Flugtickets verfallen. Das Angebot der Lufthansa, man werde den (wahrscheinlich wenigen) im Ausland gestrandeten Air-Berlin-Kunden ein Rückflugangebot „zu einem fairen Preis – wenn wir die Kapazitäten dafür haben“ machen, klingt nicht gerade wie eine unkomplizierte, verbrauchernahe Hilfe.

Auch wenn der Kranich rechtlich nicht dazu verpflichtet ist: Eine faire Entschädigung von geprellten Air-Berlin-Kunden durch Lufthansa- oder Eurowings-Flüge wäre angemessen. Vielleicht ist eine kleine Erinnerung aus Berlin hilfreich, dass die Steuerzahler den Deal mit möglich machten.

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