Versicherungen: Allianz strotzt vor Selbstbewusstsein

Versicherungen : Allianz strotzt vor Selbstbewusstsein

Der Versicherer kauft erstmals in seiner 127-jährigen Geschichte eigene Aktien zurück. Auf diese Weise lässt er den Kurs steigen.

Unternehmen, die ihre Aktien zurückkaufen, haben fantasielose Manager. So ähnlich hat Allianz-Chef Oliver Bäte einmal über dieses Instrument zur Pflege des Aktienkurses geurteilt. Nun greift Europas größter Versicherer erstmals in seiner 127-jährigen Geschichte selbst dazu und das gleich im Umfang von bis zu drei Milliarden Euro. „Wir lösen damit ein Versprechen von Michael Diekmann ein“, sagte Bäte zur Bilanzvorlage in München mit Verweis auf seinen Vorgänger an der Spitze des Assekuranzriesen. Der hatte 2013 versprochen, für Zukäufe reservierte Gelder nach drei Jahren Allianz-Aktionären zugute kommen zu lassen, falls man nicht fündig wird. Mangels eines solchen Erwerbs kauft die Allianz nun eigene Aktien.

Im eigenen Fall sei das auch nicht fantasielos, meinte Bäte. Die Allianz sei nicht auf schnöden Aktienrückkauf angewiesen, um den eigenen Kurs steigen zu lassen. Dazu gebe auch die Vorjahresbilanz Anlass und außerdem habe man immer noch ausreichend Geld in der Kriegskasse, um zusätzlich im großen Stil zukaufen zu können. „Wir sind so stark, wir können beides“, betonte der Manager. Über Zukaufskandidaten schwieg er sich aus. Hinter den Kulissen wurden ihm zuletzt erfolglose Verhandlungen mit dem australischen Versicherer QBE nachgesagt, der ihm 14 Milliarden Euro wert sein soll. Das stimme so nicht, meinte Bäte kurz angebunden und ließ offen, ob er damit das Interesse, den Preis oder das Scheitern der Verhandlungen meint. Ähnliche Zurückhaltung legte er sich hinsichtlich des italienischen Konkurrenten Generali auf.

Den will die italienische Großbank Intesa erwerben und dabei im Falle eines Gelingens dem Vernehmen nach Teile des Versicherungsgeschäfts an die Münchner abtreten. Da Generali neben der Axa und Zurich in Europa zu den drei großen Allianz-Rivalen zählt, hätte ein solcher Schritt durchaus den Charakter einer Branchenkonsolidierung. „Wir müssen nicht krampfhaft zukaufen und können unsere Ziele auch aus eigener Stärke erreichen“, betonte Bäte jetzt. Bisherige Kaufangebote sind zu teuer, soll das übersetzt heißen. Noch wird wohl gefeilscht. Falls es nach weiteren drei Jahren immer noch keinen Vollzug gibt, will Bäte aber nicht wieder eigene Aktien zurückkaufen oder eine Sonderdividende ausschütten. Diesen Automatismus erklärte er ab sofort für beendet, was dem Aktienkurs aktuell nicht schadet.

Der ist am Freitag um zeitweise gut zwei Prozent auf rund 162 Euro gestiegen, was die Allianz an diesem Tag zum größten Gewinner im Dax gemacht hat. Denn neben dem auf zwölf Monate befristeten Aktienrückkauf erhöhen die Münchner ihre Dividende von 6,30 auf 6,70 Euro je Aktie. Das können sie sich leisten, weil der operative Gewinn 2016 nach einem starken Jahresendspurt um ein Prozent auf gut 10,8 Milliarden Euro gestiegen ist und damit das obere Ende der Prognosespanne erreicht wurde.

Der Jahresüberschuss fiel mit 6,9 Milliarden Euro um knapp vier Prozent höher aus, was vor allem auf ein bei der Allianz branchenuntypisch gutes Geschäft mit Lebenspolicen zurückgeht. Von traditionellen Lebensversicherungen mit fixen Zinsgarantien verabschieden sich die Münchner zwar wie die Konkurrenz. Sie haben aber wie kein Wettbewerber Erfolg mit neuartigen Produkten, die das Zinsrisiko teils beim Verbraucher abladen. Auch Allianz-Lebensversicherte sind zumindest 2016 damit jedoch gut gefahren.

Auch die US-Tochter Pimco macht wieder Freude. Der US-Vermögensverwalter hat 2016 die Trendwende geschafft und im zweiten Halbjahr nach zuvor jahrelanger Talfahrt wieder netto Anlagegelder im Umfang von elf Milliarden Euro gewonnen. Teils unter Druck steht dagegen mit der Schaden- und Unfallversicherung die größte Säule der Allianz. Unter dem Strich sind die Umsätze 2016 um gut zwei Prozent auf 122,4 Milliarden Euro gesunken.

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