Kommentar zum Vergleich der Wasserqualität: Alles Humbug

Kommentar zum Vergleich der Wasserqualität : Alles Humbug

Ein Freifahrtschein ist das Testergebnis für Leitungswasser nicht, denn wenn am Wasserhahn die Hygiene fehlt, wuchern dort auch die Keime, meint GA-Autorin Ulla Thiede.

Die Getränkeindustrie und ein gewachsenes Gesundheitsbewusstsein haben bewirkt, dass sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineral- und Heilwasser in Deutschland über Jahrzehnte verzehnfacht hat. Heute trinkt davon jeder Bürger rein rechnerisch mehr als 140 Liter pro Jahr. Er tut es nicht nur mit gutem Gewissen, weil Wasser keine Kalorien enthält – einige Marken genießen heute Kultstatus, ein US-Hersteller vertreibt sogar ein Wasser, für das Gutbetuchte 60 Euro die Flasche bezahlen.

Während die Diskussion um nitratverseuchte Böden und antibiotikabelastetes Grundwasser viele verunsichert hat, kam der Schluck aus der Mineralwasserflasche bisher einem Gesundheitsversprechen gleich. Eltern, die ihrem Baby etwas Gutes tun wollen, rühren den Brei sogar mit extra für Säuglinge hergestelltem Mineralwasser an.

Alles Humbug, stellt die Stiftung Warentest fest. Baby-Wasser sei überflüssig, und was als Bio-Wasser verkauft wird, sei selten gut. Auch das Versprechen in der Werbung, dass „natürliches Quellwasser“ mehr Mineralien als Leitungswasser enthalte, löst sich angesichts der Studienergebnisse in Luft auf.

Speziell auf Keime hat Warentest das hochgelobte Wasser aus dem Hahn jedoch nicht untersucht, weil dies regelmäßig von den Wasserwerken geprüft wird. Ein Freifahrtschein ist das Testergebnis für Leitungswasser also nicht, denn wenn am Wasserhahn die Hygiene fehlt, wuchern dort auch die Keime. So muss jeder Verbraucher selbst entscheiden, wem er vertraut. Bei 800 deutschen Mineralwassern hat er die Qual der Wahl, bei seinem Wasserversorger hat er das nicht.