Kommentar zur Portoerhöhung

Qualität verbessern

Zum 1. Juli wird das Briefporto teurer.

Zum 1. Juli wird das Briefporto teurer.

Bonn. Beim Thema Porterhöhung konnte sich die Post nach langem Tauziehen durchsetzen. Für Verbraucher ist das zu verschmerzen, doch bleibt ein schaler Beigeschmack. Ein Kommentar.

Die Portoerhöhung, die der Post vorschwebt, ist für Verbraucher zumutbar. Die Ausgaben für Briefgebühren sind bei den meisten Privatkunden gering. Ganze 2,34 Euro gibt jeder Haushalt im Monatsdurchschnitt für Briefgebühren aus, ein paar Cent mehr sind zu verschmerzen – auch wenn Preissteigerungen natürlich nie erfreulich sind.

Dafür dürfen die Postkunden künftig aber auch eine bessere Qualität bei der Postzustellung erwarten. Denn die Zahl der Beschwerden steigt. 12 500 registrierte die Bundesnetzagentur 2018, mehr als doppelt so viel wie noch im Vorjahr. Bei 57 Millionen Briefen, die werktags in Deutschland zugestellt werden, ist das immer noch wenig, aber die Steigerung ist schon signifikant. Da besteht für die Post Handlungsbedarf. Der Ankündigung, 5000 neue Zusteller zu engagieren, müssen Taten folgen.

Auch wenn die Portoerhöhung vertretbar ist: Das Verfahren, das dazu führte, erscheint nebulös. Die Post wirkte dabei wie ein trotziges Kind, das seinen Willen bei der strengen Tante Bundesnetzagentur zunächst nicht bekam und deshalb zu Onkel Altmaier ins Wirtschaftsministerium ging. Dort fand der Konzern, der zwischenzeitlich mit Stellenabbau drohte, offenbar Gehör. Nachdem die Netzagentur nur eine moderate Porterhöhung erlauben wollte, schuf die Politik die Grundlagen für eine großzügigere Steigerung.

Nach der Änderung der Postentgeltverordnung musste die Regierungsbehörde der Post einen größeren Spielraum geben. Da bleibt ein schaler Beigeschmack: Der Bund liefert der Post eine maßgeschneiderte Verordnung – einem Konzern, an dem er mit rund 20 Prozent über die KfW beteiligt ist. Das hat etwas von Selbstbedienungsmentalität.