Zwischen Kopfschütteln und Bewunderung

Zwischen Kopfschütteln und Bewunderung

Finanzexperten sehen keine realistische Chance für Asbecks Vorstoß - Bundesregierung gibt keinen Kommentar

Frankfurt/Main. Bei Opel war man am Mittwoch ebenso überrascht wie an der Börse. Mit der Bonner Solarworld als möglichem Interessenten für die angeschlagene Tochter von General Motors (GM) hat niemand gerechnet. "Kein Kommentar", sagt ein Opel-Sprecher.

Andere am Stammsitz in Rüsselsheim halten die Offerte aus Bonn für einen Scherz. An der Börse schwanken die Reaktionen zwischen ungläubigem Staunen und abschätzigem Lächeln bis hin zu durchaus ernsthaften Kommentaren. Der Kurs der Solarworld-Aktie bricht zeitweise um 18 Prozent ein - ein Indiz, dass Börsianer den Vorstoß für so abwegig nicht halten.

"Das könnte eine spannende Sache werden", sagt Fidel Helmer, Börsenchef beim Bankhaus Hauck&Aufhäuser. "Auch wenn es nur ein Versuchsballon Richtung GM ist." Wirklich realistische Chancen freilich billigt man dem Solarworld-Gründer und Chef Frank Asbeck und seiner Idee, Opel zum ersten "grünen" Autounternehmer zu machen, kaum zu.

"Das ist eine schöne PR-Geschichte, aber GM wird darauf nicht eingehen", sagt Börsenmakler Dirk Müller. Wenngleich er wie auch Helmer einräumt, dass ein "grüner" Autokonzern und die Entwicklung von umweltfreundlichen Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen durchaus Sinn macht und in die Zeit passt.

Zudem sind die Interessen von Opel und Solarworld gleich gelagert. Seit Jahren gelten die Rüsselsheimer als Vorreiter für die Entwicklung und den Bau sparsamer Autos. Auch das GM-Elektro-Fahrzeug Volt wurde größtenteils in Hessen mit entwickelt.

Hauptproblem auch für die Offerte von Solarworld bleibt die Herauslösung von Opel aus dem engen Konzernverbund von GM - abgesehen von der Frage, ob sich die Amerikaner überhaupt von ihrer deutschen Tochter trennen wollen und wenn, ob sie Opel dann praktisch ohne einen Cent, wie es Solarworld vorschwebt, ziehen lassen würden.

Seit 80 Jahren gehört Opel zu General Motors. Die gegenseitigen Verbindungen und Abhängigkeiten sind extrem eng, zumal Opel auch in das Netzwerk von GM Europe eingebunden ist. Opel-Chef Hans Demant jedenfalls hält eine Herauslösung für unrealistisch.

Beim Opel-Krisengipfel am Montag im Kanzleramt hat das Solarword-Angebot keine Rolle gespielt. Kanzlerin Angela Merkel hatte anschließend eine Bürgschaftsentscheidung der Bundesregierung "noch vor Weihnachten" angekündigt. Von Alternativofferten war nicht die Rede.

Dementsprechend überrascht gaben sich die Regierungsvertreter gestern. "Keine Ahnung" von dem Angebot hätte man gehabt, betonten Vertreter aus Wirtschafts- und Finanzministerium sowie des Kanzleramtes. Offiziell vermieden sie jeden Kommentar, sprachen davon, dass sich das Solarworld-Angebot direkt an GM richte.

Trotzdem bringt der Vorstoß von Solarworld Bewegung in die Krise von Opel. Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft: "Mir ist nichts lieber als die Vorstellung, dass das Drama nach 80 Jahren beendet wird. Opel sollte wieder ein deutsches Unternehmen werden."

Gute und schlechte PRAlles nur ein PR-Gag? "Ich kann nicht beurteilen, wie ernst das Angebot gemeint ist", sagt Ulrich Nies, Präsident der Deutschen Public Relations Gesellschaft, auf Anfrage des General-Anzeigers. "Aber wenn es nicht ernst gemeint wäre, wäre es eine komplett falsche PR." Denn es sei fraglich, wie Meldungen von einem Unternehmen, das mit PR-Gags agiere, in Zukunft aufgenommen würden. Um ein Unternehmen glaubwürdig darstellen zu können, sei vielmehr eine nachhaltige PR erforderlich. "Von Gags muss man die Finger lassen", sagt Nies. Damit erreiche man einmalig Aufmerksamkeit, riskiere aber seine Glaubwürdigkeit. "Aber es gibt natürlich keine Gesetze gegen schlechte PR."

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