Kommentar zu T-Mobile und Sprint: Zwischen den Fronten

Kommentar zu T-Mobile und Sprint : Zwischen den Fronten

Es geht in der Auseinandersetzung um die Fusion von T-Mobile und Sprint mittlerweile weniger um wirtschaftliche Fakten als um politische Machtspiele, meint unsere Autorin Claudia Mahnke.

In der Bonner Telekom-Zentrale wird der Blick Richtung USA wieder bang: Die politische Großwetterlage dreht sich. Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als ob die Telekom-Tochter T-Mobile US bei der Übernahme von Sprint kurz vor dem Ziel ist. Die von den Republikanern dominierte US-Regulierungsbehörde FCC hatte sich für den Deal ausgesprochen. Doch jetzt kommt neuer Widerstand: Generalstaatsanwälte aus zehn demokratisch geführten US-Bundesstaaten bereiten eine Klage gegen das Geschäft vor. Sie befürchten bei einem Zusammenschluss weniger Wettbewerb, höhere Preise für die Kunden und den Verlust vieler Stellen.

Es geht in der Auseinandersetzung mittlerweile weniger um wirtschaftliche Fakten als um politische Machtspiele. Am 3. November 2020 stehen die nächsten US-Präsidentschaftswahlen an. Demokraten und Republikaner beginnen, sich zu positionieren und um Stimmen zu werben. Es ist für jede Fusion eine große Gefahr, zwischen politischen Fronten zerrieben zu werden. Dann geht es nicht mehr um die Sache, sondern um das politische Rechtbehalten. Fraglich ist in solchen Situationen, ob weitere Zugeständnisse der Unternehmen überhaupt helfen. Doch eine Arbeitsplatzgarantie für die US-Beschäftigten könnte die Auseinandersetzung besänftigen.

Für die Telekom geht es um viel: Mehr als die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet der Netzbetreiber in den Vereinigten Staaten. Deshalb lohnt auch ein hoher Einsatz.

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