Bilanz: „Wir lassen Europa nicht den Populisten“

Bilanz : „Wir lassen Europa nicht den Populisten“

Die Jahrespressekonferenz der Telekom kommt nicht ohne politische Akzente aus. Konzernchef Tim Höttges sieht das Unternehmen trotz einiger Rückschläge im Aufwind.

Keine Wirtschafts-Pressekonferenz mehr ohne einen sorgenvollen Blick in die politische Landschaft – auch oder gerade bei der Deutschen Telekom. Ein Unternehmen, das sein Geschäft auf der grenzüberschreitenden Vernetzung der Gesellschaft aufbaut, kann nicht zuschauen, wenn neue Grenzen gezogen werden. So sollte der „Akzent“ verstanden werden, den Telekom-Chef Tim Höttges am Donnerstag gleich zu Beginn der Jahrespressekonferenz in Bonn setzen wollte. „Wir lassen Europa nicht den Populisten“, sagt Höttges. In einem eigens produzierten Film, der für ein vereintes und offenes Europa werben soll, flimmerten im Hintergrund rechtspopulistische Politiker wie Nigel Farage oder Marine Le Pen über den Bildschirm. „Wir stehen nicht für ein trennendes Europa“, so Höttges. Es habe keinen Sinn, Innovationen wie 5G aufzubauen, wenn die Technologie an den Grenzen abbricht.

Die direkten Folgen einer solchen Grenzziehung bekam die Telekom im 4. Quartal zu spüren. Abschreibungen über 2,2 Milliarden Euro auf die BT-Finanzbeteiligung in Großbritannien führen die Bonner in erster Linie auf einen Kurssturz und die Pfund-Abwertung nach der Brexit-Entscheidung zurück. Das Votum für den Austritt aus der EU und hohe Aufwendungen für Personalrestrukturierungen verhageln der Telekom denn auch den Konzernüberschuss 2016, der im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Milliarden auf 2,7 Milliarden Euro zurückgeht.

Doch Höttges hakt den außerplanmäßigen Dämpfer, ohne den der Gewinn deutlich gestiegen wäre, schnell ab und verweist lieber auf die Kennzahlen, die das operative Geschäft des Unternehmens beschreiben. Dazu gehören ein Umsatzplus von 5,6 Prozent auf 73,1 Milliarden, ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 21,4 Milliarden Euro (plus 7,6 Prozent). Der Free Cashflow, also das Kapital, was im Unternehmen tatsächlich übrig bleibt, wuchs um 8,6 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Aus diesen Mitteln soll auch die angekündigte Erhöhung der Dividende auf 60 Cent bezahlt werden. Damit habe das Unternehmen zuverlässig alle Ziele erreicht oder sogar übertroffen, betonen Höttges und später auch Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt. Getragen wird der Erfolg vor allem von dem besonders gut laufenden US-Geschäft, wo T-Mobile US im vergangenen Jahr acht Millionen Kunden gewinnen konnte und inzwischen klar der drittgrößte Anbieter ist. In Deutschland zieht vor allem das Geschäft im Glasfaserbereich an. Auch die Problemfelder des Konzerns spart Höttges nicht aus. Auf dem immer noch schwächelnden niederländischen Markt vermeldet die Telekom immerhin eine Trendumkehr. Eine Baustelle bleibt auch die Geschäftskundensparte T-Systems. Im vierten Quartal musste T-Systems Wertberichtigungen auf zwei schlecht laufende Altverträge bilden.

Für das laufende Jahr rechnen die Bonner Konzernlenker mit weiterem Wachstum bei Umsatz und Ergebnis. Höttges bekräftigt seinen Anspruch, zu Europas größtem Telekom-Unternehmen zu werden. Bei der Marktkapitalisierung (76,3 Milliarden Euro) ist dieses Ziel schon erreicht. Für Innovationen und Netzausbau investierte die Telekom im vergangenen Jahr die Rekordsumme von elf Milliarden Euro, 2017 sollen es zwölf Milliarden werden. Beim schnellen Breitbandausbau bekräftigt Höttges seine Offenheit für Kooperationen. Das Ziel der Bundesregierung, alle Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen, könne die Telekom nicht überall alleine stemmen. Vereinbarungen gibt es bereits mit Netcologne und Innogy.

Neben den Investitionen in die Netze treibt die Telekom auch den Umbau beim Personal kräftig voran. 1,6 Milliarden Euro zahlte der Konzern im abgelaufenen Jahr für Personalrestrukturierung. 1,1 Milliarden Euro davon flossen in die Frühpensionierung von Bundesbeamten. Der Personalumbau läuft seit Jahren und ist mit hohen Kosten verbunden. „Die Digitalisierung erfordert den Umbau in der Organisation“, so Dannenfeldt.

Mehr von GA BONN