Jobtickets und E-Bikes: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter mobil machen

Jobtickets und E-Bikes : Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter mobil machen

Immer mehr Unternehmen helfen ihren Beschäftigten mit Jobtickets oder E-Bikes, dem Chaos auf dem Straßen zu entgehen. Die Industrie- und Handelskammern bieten Beratungen an. Auch das Angebot von Home Office spielt eine Rolle.

Wie kommen Vorstände von Dax-Konzernen üblicherweise zur Arbeit? Ein Chauffeur holt sie ab. Birgit Bohle, Personalvorstand der Telekom, sieht das lockerer: Häufig radelt die 1973 geborene Managerin mit dem Fahrrad zur Bonner Zentrale des Unternehmens. Und bei Dienstreisen in Deutschland bevorzugt sie die ICE-Züge ihres Ex-Arbeitgebers Deutsche Bahn, statt sich in Flugzeuge zu quetschen oder sich durch Staus fahren zu lassen. „Auch um die Umwelt zu entlasten, kann man ruhig öfter aufs Auto verzichten“, sagt sie.

Das Verhalten von Bohle bestätigt, dass Deutschlands Unternehmen beim Thema Mobilit ät umdenken. Jobtickets für Bus und Bahn sind bei großen Firmen wie Telekom, Henkel, Vodafone, Post, Metro oder der Agenturgruppe BBDO praktisch Standard. Das sorgt für weniger volle Parkplätze und ist für viele Mitarbeiter eine Entlastung. Kleine Firmen können solche Angebote über einen Rahmenvertrag der IHK abwickeln.

Immer mehr Arbeitgeber bieten ihren Beschäftigen an, ihnen ein Dienstfahrrad zu bezahlen. Das ist dann steuerbegünstigt, alleine bei Vodafone nutzen 200 Mitarbeiter das Angebot, die Telekom berichtet von bundesweit 6000 ausgegebenen Fahrädern und E-Bikes.

Förderung von Elektromobilität

Auch das Fördern von Elektromobilität gehört zum Konzept. Und zunehmend lassen die Unternehmen „Mobilitätsbeauftragte“ ausbilden. „Solche Experten können ein Mobilitätskonzept erstellen“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, „Ziel ist, unnötigen Autoverkehr zu vermeiden und Unterstützung für die Mitarbeiter zu organisieren, damit sie beim Pendeln und bei Dienstreisen von Staus möglichst wenig betroffen sind.“

Gute Beratung hält auch Stefan Heimlich für notwendig, Vorsitzender des Autoclubs Europa (ACE): „Viele Bürger und Unternehmen überschätzen die Preise des öffentlichen Nahverkehrs allgemein und speziell für Abokunden.“

Sehr aktiv ist die Metro. Das Unternehmen hat ausdrücklich festgelegt, dass E-Fahrzeuge als Dienstwagen erlaubt sind und meldet nun deutliche Nachfragesteigerung. Am Metro-Campus stehen 80 Ladepunkte für E-Autos zur Verfügung.

In einem Pendlerportal können Beschäftigte ihre An- und Abfahrt gemeinsam organisieren. Dienstwagenberechtigte Mitarbeiter können statt dem Wagen eine Bahncard 100 wählen, wodurch sie in ganz Deutschland freie Fahrt in Zügen der Bahn haben. Grundsätzlich versucht Metro Dienstreisen zu vermeiden — Videokonferenzen sollen abgehalten werden.

E-Bikes zum Leasen

Seit Mai bietet der Konzern elektrische Jobfahrräder zum Leasen an. Zum Laden der Bikes wird ein Ladekarussell am Metro Campus aufgebaut, überdachte Fahrradständer wurden aufgebaut, so wie bei vielen anderen Firmen gibt es Duschen für per Rad angereiste Beschäftigte.

Dass auch nicht ganz so große Unternehmen aktiv sein können, zeigt die Agenturgruppe BBDO. Wenn Beschäftigte eine Dienstreise planen, erfahren sie, welche Reiseoption für den niedrigsten Ausstoß von Kohlendioxid sorgt – Vorfahrt für die Schiene also. Das Unternehmen baut eine Online-Plattform auf, um gemeinsame Dienstreisen und gemeinsames Pendeln zu organisieren. Und nachdem 50 der rund 1000 Mitarbeiter in Düsseldorf ein Dienstfahrrad haben, das ihnen ein externer Dienstleister nach ihren Wünschen zusammenstellt, sollen neue Ladestationen für E-Bikes die Nachfrage weiter erhöhen.

Für Fahrten in der Stadt gibt es einen Pool von Fahrrädern. „Gerade für die Fahr ten zwischen unseren Standorten in Düsseldorf und unseren zahlreichen Dienstleistern dort sind Fahrräder ja optimal“, sagt Sanya Hermes, Managerin Sustainibilty bei BBDO. „Wir wollen einen nachhaltigen Beitrag zur Luft- und Lebensqualität der Stadt leisten.“ Innovative Mobiliätskonzepte seien außerdem wichtig, um junge Talente an das Unternehmen zu binden.

Als geschickten Weg, zu viel Pendelei zu vermeiden, bieten viele Frimen an, häufig zu Hause zu arbeiten. Vodafone schätzt, dass dies den Berufsverkehr der Mitarbeiter um rund 20 Prozent senkt. Schöner Nebeneffekt: Es ist auch weniger Büroraum in der Zentrale nötig.

Mehr von GA BONN