Sozialplan vereinbart: Wie es für die Kaufhof-Filialen weitergeht

Sozialplan vereinbart : Wie es für die Kaufhof-Filialen weitergeht

Die Gewerkschaft Verdi mahnt nach der Verständigung auf einen Sozialplan bei Kaufhof einen Zukunftsplan an. Kostensenkungen und Ausgliederungen seien kein nachhaltiges Konzept.

Die Mitarbeiter und die Betriebsräte in den einzelnen Kaufhof-Filialen werden jetzt über den Sozialplan informiert, den der Gesamtbetriebsrat und die Geschäftsleitung am Freitag vereinbart haben. Vorangegangen waren nervenaufreibende Verhandlungen, nachdem die Geschäftsleitung massive Stellenstreichungen angekündigt hatte. Letztlich ging es für die Arbeitnehmervertreter angesichts der Schieflage von Kaufhof darum, Schlimmeres zu verhindern und die geplanten Maßnahmen abzumildern, heißt es auf Seiten der Arbeitnehmervertreter. Für Begeisterung sorgt der Abschluss offenbar nicht.

Dabei wertet der Gesamtbetriebsrat es als Verhandlungserfolg, dass 1000 Stellen statt der ursprünglich geplanten über 1800 in den Filialen gestrichen werden. Durch freiwillige Reduzierung der Arbeitszeit sollen dabei weitere Personalkosten eingespart werden. Doch die Reduzierungen können sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanziell nicht leisten. Und vor allem fragen sie sich, ob mit den Kostensenkungen ihre Jobs sicher geworden sind.

Auch Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei der Gewerkschaft Verdi, hat da Zweifel. Der Personalabbau und die Kostensenkungen verschafften dem Unternehmen Zeit und Luft. Personal rausschmeißen. „Ein nachhaltiges Zukunftskonzept, das die Warenhäuser dringend brauchen, können wir nicht erkennen. Kostensenkungen und Ausgliederungen sind doch kein Konzept“, sagt Akman weiter.

Konzepte von Karstadt auf Kaufhof übertragen

Kaufhaus-Chef Stephan Fanderl und die Geschäftsführung hätten bisher ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie müssten liefern und uns glaubhaft darstellen, wie sie das Warenhaus erfolgreich bewirtschaften wollen“, sagt Akman. Wer sich vom Onlinehandel abheben wolle, der brauche ausreichend gutes Personal auf der Fläche. Bei Karstadt sei zwischen Kassenpersonal und Kundenberatung einerseits und Teams, die Waren verräumen, differenziert worden. Hier treffe der Kunde dann auf Mitglieder des Teams, das Waren einräume, die aber keine Auskünfte zu den Waren geben könnte. Das enttäusche die Kunden dann.

„Wir sehen nicht, dass das Konzept bei Karstadt erfolgreich ist, das jetzt auf Kaufhof übertragen werden soll“, sagt Akman. Die Geschäftsführung samt Herrn Fanderl hätten bislang keine innovativen und erfolgreichen Pläne entwickelt, und umgesetzt, wie das Warenhaus in den Innenstädten wieder schwarze Zahlen schreiben könne. Dabei gebe es durchaus erfolgreichen stationären Einzelhandel, wie inhabergeführte Häuser, aber auch Aldi, Lidl oder Primark sowie dm zeigten. Auch das Onlinegeschäft sei bislang nicht erfolgreich mit dem stationären Handel integriert.

Karstadt und Kaufhof stellen jetzt Flächen zur Verfügung, auf denen Amazon- oder Zalando-Kunden ihre Waren abholen können, wie Fanderl vor zwei Wochen in Köln sagte. Dabei hofft er, dass diese Kunde, auch in den Kaufhäusern weitere Waren kaufen. Das muss sich nicht erfüllen, gibt Akman zu bedenken.

„Es wird vielmehr Fläche ausgegliedert, außerdem die Hausmeistertätigkeiten des Facility Managements, das ebenso ins Drittgeschäft einsteigen soll wie die Logistik“, sagt Gewerkschafter Akman. Außerdem verweise Fanderl auf die 30 000 Innenstadt-Parkplätze in den Häusern und auf Flächen, die als Logistik-Hub anderen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden könnten. „Das alles sind Geschäftsfelder im Immobilienverwertungsgeschäft und kein tragfähiges und zukunftweisendes klassisches Warenhausgeschäft“, so Akman.

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