Ausbildungsplätze in Bonn: Weniger Lehrstellen bei der Post

Ausbildungsplätze in Bonn : Weniger Lehrstellen bei der Post

Das Bonner Unternehmen bildet seine Zusteller künftig auch berufsbegleitend aus. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass künftig weniger reguläre Lehrstellen angeboten werden sollen.

Zwischen Deutscher Post und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) ist ein Streit über den Umfang der Ausbildung der Zusteller entbrannt. Die Post hat ein neues Konzept für die Ausbildung der Brief- und Paketzusteller entwickelt, die traditionell die größte Gruppe der Auszubildenden stellen. Neben der klassischen, zweijährigen dualen Ausbildung bietet der Konzern ab 2018 auch eine berufsbegleitende Qualifizierung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen (FKEP) an.

Dieses Angebot richtet sich vor allem an Bewerber „mit Lebens- und Berufserfahrung“, wie die Post schreibt. Es gehe um Quereinsteiger, die nach einer intensiven Einarbeitung und Schulungen (beispielsweise Fahrsicherheitstraining) als Vollzeitmitarbeiter in der Verbund- und Paketzustellung arbeiten. Nach drei Jahren können sie den IHK-Berufsabschluss FKEP erwerben. „Es ist uns sehr wichtig, möglichst vielen Menschen eine Zukunftsperspektive bieten zu können“, sagt Thomas Ogilvie, Konzernvorstand Personal und Arbeitsdirektor.

Heftige Kritik

Auf diese Ankündigung hat Verdi mit heftiger Kritik reagiert. Für die Gewerkschaft steht im Vordergrund, dass viele Zusteller künftig nicht mehr eine reguläre duale Ausbildung durchlaufen sollen, sondern nur noch berufsbegleitend ausgebildet werden.

„Der Konzern entzieht sich der Verantwortung für die jungen Menschen.“, sagt die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Nach Informationen der Gewerkschaft ist vorgesehen, die Zahl der dualen Ausbildungsplätze für den Beruf der FKEP-Fachkraft von derzeit rund 1400 auf rund 750 im kommenden Jahr zu halbieren. Weitere rund 750 einzustellende Beschäftigte sollen die Berufsqualifikation nicht mit einer dualen Ausbildung, sondern durch eine berufsbegleitende IHK-Prüfung erwerben.

Aus Sicht von Verdi sei eine berufsgleitende Qualifizierung grundsätzlich positiv. Nicht aber, wenn sie zu Lasten des dualen Ausbildungsangebotes gehe. „Während die Vorstände anderer großer Konzerne zusammen mit der Bundeskanzlerin im Frühjahr in die USA gereist sind, um dem US-Präsidenten die Vorzüge der dualen Berufsausbildung in Deutschland zu erläutern, streicht der Postkonzern genau diese Ausbildung zusammen. Das ist unerträglich“, meint Kocsis, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende ist.

Zurückgehende Bewerberzahlen

Die Post begründet die Neuerung mit zurückgehenden Bewerberzahlen für die Zustellung. „Wir richten uns nach dem Verhalten der Zielgruppe“, sagt Post-Sprecherin Christina Müschen. Am Beruf des Zustellers seien viele Menschen interessiert, die vorher bereits eine andere Berufsausbildung gemacht hätten. Dieses würden nicht unbedingt eine weitere Ausbildung machen wollen, sondern direkt in den Beruf einsteigen. Es gebe aber keine starren Quoten oder Deckelung für die duale Ausbildung.

„Unsere Kritik entzündet sich nicht daran, dass Menschen, die bereits einen Abschluss haben, berufsbegleitend als Zusteller qualifiziert werden“, erläutert Sigrun Rauch- Postexpertin bei Verdi. Was die Gewerkschaft maßlos ärgere, sei die Verringerung der Zahl an angebotenen Ausbildungsstellen. Künftig solle offenbar nur noch in der Muttergesellschaft die Ausbildung für den klassischen Briefträger stattfinden, der zu Fuß, per Fahrrad- oder in der Verbundzustellung mit Paketen tätig sein. Es gebe offenbar Rekrutierungsprobleme in den 2015 gegründeten 49 DHL-Delivery-Regionalgesellschaften, in denen viele Paketzusteller beschäftigt werden. Dass dort so schnell nach der Gründung mit Ausbildung begonnen wurde, habe nicht funktionieren können, da die notwendigen Strukturen noch gar nicht existierten.