Fachkräftemangel: Was Landflucht für Bonn und die Region bedeutet

Fachkräftemangel : Was Landflucht für Bonn und die Region bedeutet

Junge Menschen zieht es in die Städte. Auch Bonn ist sehr attraktiv für Akademiker, haben die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft herausgefunden.

Über den Fachkräftemangel klagen viele Unternehmen inzwischen. Als Erklärung dient in der Regel die gute Konjunktur, der sich Deutschland seit Jahren erfreut: Wenn die Wirtschaft floriert, suchen Firmen zusätzliche Beschäftigte, irgendwann ist der Arbeitsmarkt leer gefegt, weil die Nachfrage höher ist als das Angebot. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat nun auch die regionale Verteilung des Fachkräfteangebots untersucht.

Das Fazit ist: In ländlichen Räumen vor allem in Ostdeutschland ist der Mangel an qualifizierten Beschäftigten am stärksten zu spüren. Doch sei es nur eine Frage der Zeit, bis diese Entwicklung auch westdeutsche Landkreise fernab von Großstädten erreiche, schreiben die Autoren in der am Montag veröffentlichten Studie.

Für die Untersuchung haben die Forscher den Anteil der Akademiker und Auszubildenden in 401 kreisfreien Städten und Landkreisen verglichen. Stichtag war der 31. März 2018. Demnach verzeichneten ausschließlich Großstädte den höchsten Akademikeranteil unter den Beschäftigten. An der Spitze stand Heidelberg mit knapp 44 Prozent Beschäftigten mit einem Hochschulabschluss, gefolgt von Jena, der einzigen ostdeutschen Stadt in der Spitzengruppe. Bonn landete auf Platz sieben mit fast 34 Prozent Akademikern, in Köln lag deren Anteil bei rund 28 Prozent, die Domstadt erreichte damit Rang 22.

Sehr viel geringer war der Akademikeranteil im Rheinisch-Bergischen Kreis (18 Prozent), im Rhein-Sieg-Kreis (15,4 Prozent) und im Rhein-Erft-Kreis (14,3 Prozent).

Auch Migranten zieht es in die Städte

Einige Kommunen machen den geringen Akademikeranteil mit einem höheren Anteil an Auszubildenden wett: So wies der Landkreis Dithmarschen an der Nordsee nur sieben Prozent Akademiker auf, landete aber mit knapp zehn Prozent Auszubildenden je 100 Beschäftigte mit Ausbildung in der Spitzengruppe dieser Kategorie. Bonn zählte fast elf Prozent Azubis auf 100 Beschäftigte mit Ausbildung und erreichte damit sogar Platz zwei, Köln hingegen mit 8,2 Prozent Azubis auf 100 Beschäftigte kam nur auf Platz 65. Für die IW-Forscher zeigt sich in dieser Entwicklung die hohe Attraktivität von Städten für jüngere Menschen. Seit 2004 beobachten sie den wachsenden Wegzug junger Leute vom Land in die Stadt. Innerhalb Deutschlands habe sich die Landflucht zwar abgeschwächt, doch seit 2011 drängten zunehmend Menschen aus dem Ausland in die Städte, heißt es in der Studie.

Die Forscher unterscheiden dabei zwischen Bildungswanderern, also jungen Menschen, die wegen Studium und Ausbildung in die Städte ziehen, und Berufseinstiegswanderern. Letztere ziehe es vor allem in Großstädte mit mehr als einer halben Million Einwohnern.

In der Folge überaltert die Bevölkerung auf dem Land. Die Forscher warnen davor, diese Entwicklung einfach weiterlaufen zu lassen, da ein einmal begonnener Abwanderungskreislauf nur schwer zu durchbrechen sei. Wo es nicht genügend Kinder gebe, würden Kitas und Schulen geschlossen. Junge Familien zögen dann weg.

Abwanderungsregionen sollten aus Sicht der IW-Ökonomen alles dafür tun, junge Menschen zu halten, eigene Fortgezogene zurückzugewinnen und benötigte Fachkräfte durch attraktive Angebote – vor allem eine gute Infrastruktur – anzuziehen. Das bedeute: Kinderbetreuung erhalten und ausbauen, die Mobilität fördern durch guten öffentlichen Nahverkehr. Gerade junge Menschen verfügten oft nicht über ein eigenes Auto, um zum weiter entfernt gelegenen Arbeitsplatz zu kommen. Unternehmen in ländlichen Regionen wiederum sollten durch Praktikaangebote für sich werben, empfiehlt das IW. Berufsschulen und Arbeitsagenturen spielten zudem beim Angebot von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen eine große Rolle.