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Warum Frauen finanziell oft schlecht aufs Alter vorbereitet sind

Verbraucherschutz : Warum Frauen finanziell schlechter aufs Alter vorbereitet sind

Frauen sind oft finanziell schlecht aufs Alter vorbereitet. Viele Frauen beschäftigen sich erst mit ihrer finanziellen Absicherung, wenn es zu einer Scheidung kommt oder der Ehemann stirbt, sagt eine Bonner Expertin.

Geld spielte für Kerstin F. lange Jahre keine Rolle. Bis sich alles änderte. „Rückblickend war ich ziemlich naiv“, sagt die 47-jährige Bonnerin (Name geändert) heute. Ihre Geschichte ähnelt der von vielen Frauen, sagen Finanzexperten. Am Ende steht bei vielen ein knappes Budget im Alter.

Bei Kerstin F. war es von Anfang an klar, dass der Ehemann das Geld nach Hause brachte. „Er macht Karriere, ich kümmere mich um die Kinder“, das sei für beide Partner die unausgesprochene Abmachung gewesen. „Und ich war damit zufrieden“, sagt sie. Der Werdegang war klassisch: Das Paar hatte sich im Gymnasium kennengelernt. Er studierte, sie ließ sich zur Bankkauffrau ausbilden. Heirat, zwei Kinder, mehrere Umzüge quer durch Deutschland: „Die Karriere meines Mannes hat das erfordert“, sagt Kerstin F. Ohne Großeltern in der Nähe zur Betreuung der Kinder und durch die ständigen Ortswechsel sei an eine eigene Arbeit nicht zu denken gewesen.

Dann geschah jedoch das, was Kerstin F. nie für möglich gehalten hätte. Noch während die Kinder im Grundschulalter waren, trennte sich das Paar. „Plötzlich war ich für meine Finanzen selbst verantwortlich, musste mir einen Minijob suchen, um mit dem Unterhalt über die Runden zu kommen,“ sagt sie. Jetzt rächten sich die Jahre, die sie in Krabbelgruppen statt in IT-Fortbildungen verbracht hatte. „Der berufliche Wiedereinstieg war nach all den Jahren nicht einfach.“

Die Bonner Frauen-Finanzberaterin Mechthild Upgang sagt, sie habe immer wieder Kundinnen mit Lebensläufen wie dem von Kerstin F.  „Viele Frauen beschäftigen sich erst mit ihrer finanziellen Absicherung, wenn es zu einer Scheidung kommt oder der Ehemann stirbt“, hat sie festgestellt. Daher seien Frauen nach wie vor besonders gefährdet, in die Altersarmut abzurutschen.

Vor allem der hohe Anteil an Teilzeitarbeit führe dazu, dass in Deutschland die Renten von Frauen deutlich geringer ausfallen als die von Männern. Wer weniger verdient, zahlt auch weniger in die staatliche Alterskasse ein. Nach Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat arbeiteten im Jahr 2017 knapp 47 Prozent der deutschen berufstätigen Frauen in Teilzeit, während es im EU-Schnitt 31 Prozent waren. Der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland in den vergangenen Jahren hat an dem Trend wenig geändert. „Viele Frauen bleiben in Teilzeit, wenn die Kinder älter werden“, hat Upgang beobachtet. Dafür sieht sie vor allem gesellschaftliche Gründe. „In Deutschland herrscht immer noch ein veraltetes Mutter- und Frauenbild vor“, sagt sie. „In Fernsehserien zum Beispiel wird die erfolgreiche Unternehmerin als wenig attraktiv dargestellt. Die mittellose, aber liebenswerte Künstlerin bekommt dagegen den Märchenprinzen.“ Auch das Ehegattensplitting sorge dafür, dass Frauen beruflich zurücksteckten. „Mehrarbeit lohnt sich auf den ersten Blick für Ehefrauen wegen des Splittings oft nicht.“ Upgang, die in diesem Jahr vom Karrierenetzwerk Fondsfrauen zur Frau des Jahres in der Investmentfondsbranche gewählt wurde, ist überzeugt: Die Politik tut zu wenig gegen die finanzielle Abhängigkeit von Frauen.

Upgangs gesellschaftspolitische Thesen werden von einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt. Demnach haben es viele westdeutsche Frauen jahrzehntelang bewusst vermieden, mehr Geld als ihre Ehemänner zu verdienen. Überdurchschnittlich viele Frauen hatten ihre Arbeitszeit verringert, sobald sie mehr als ihre Ehemännder verdienten. Erst durch die Wiedervereinigung habe sich dieses Verhalten abgeschwächt, so das DIW. Doch noch im Jahr 2016 habe der durchschnittliche Anteil der Frau am Haushaltseinkommen in Westdeutschland bei 29 Prozent gelegen, im Osten dagegen bei 42 Prozent. Eine Folge: Die Renten von Frauen lagen laut einer weiteren Untersuchung, im Auftrag der Investmentgesellschaft Fidelity, im Schnitt 26 Prozent unter denen von Männern.

Experten wie Upgang empfehlen vor allem jungen Müttern mit beruflichen Auszeiten, sich fürs Alter finanziell abzusichern. „Das kann zum Beispiel eine private Altersvorsorge sein, die vom Gehalt des Ehemannes bezahlt wird, während die Frau während einer Erziehungszeit nicht arbeitet“, sagt Upgang. „2A“ nennt die Bonner Finanzberaterin ihre wichtigsten Tipps für Frauen. Das erste A steht dabei für Anfangen. „Es ist besser, ab dem Alter von 20 Jahren jeden Monat 25 Euro zurückzulegen als erst mit 40 anzufangen und dafür mehr anzulegen“, sagt die Expertin. Wenn die erste Hürde, etwa ein Depot anzulegen, erst einmal genommen sei, falle es vielen Frauen leichter, ihre Finanzplanung selbst in die Hand zu nehmen.

Aktien schrecken viele Frauen ab

Das zweite A steht für Aktien. Ohne Wertpapiere sei es in der aktuellen Niedrigzinsphase deutlich schwieriger, eine Altersvorsorge aufzubauen, sagt Upgang. Frauen ließen sich zu schnell vom auf und ab der Börse abschrecken. Wer möglichst früh in Aktien investiere, könne bis zum Ruhestand mit einer guten Rendite rechnen.

Kerstin F. arbeitet arbeitet heute in Teilzeit in einem Bonner Unternehmen. Ihren Töchtern rät sie, bei der Berufswahl  darauf zu achten, dass sie später finanziell unabhängig sind. Ihr eigenes Alter sieht sie eher mit Sorge: „Ob das Geld letztendlich wirklich reicht, das weiß ich nicht.“