Studie zur Mobilität der Zukunft: Warum die Menschen sich vom eigenen Auto verabschieden

Studie zur Mobilität der Zukunft : Warum die Menschen sich vom eigenen Auto verabschieden

Experten sind sich sicher: Der Pkw wird künftig nur ein Teil neuer, integrierter Verkehrssysteme sein, die sich ergänzen. Entscheidend sei nicht mehr, womit man unterwegs ist, sondern dass man auf dem effizientesten Weg ans Ziel kommt

Das Auto: für die einen ein reines Fortbewegungsmittel, für die anderen geliebtes Statussymbol, für die meisten im Alltag unverzichtbar. Noch. Denn das Auto werde seine dominierende Stellung verlieren, sind sich viele Mobilitätsforscher inzwischen einig.

„Wir stehen vor ähnlichen Umwälzungen wie nach der Erfindung des Autos vor 125 Jahren. Hinter der vordergründigen Kontinuität verbirgt sich ein evolutionärer Wandel des Systems der Mobilität, der nicht unterschätzt werden darf“, heißt es in der Studie „Die Evolution der Mobilität“ des Zukunftsinstituts im Auftrag des ADAC.

Der Abschied vom eigenen Auto vollzieht sich langsam. „Das Auto“, so die Studienautoren, „wird es vielerorts schwer haben und sich im Jahr 2040 nur noch dann behaupten können, wenn es mit ihm gelingt, individuelle Fortbewegung und öffentlichen Verkehr zu verknüpfen.“

Damit die Mobilität letzten Endes nicht doch bloß im Stau endet, plädiert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und eine Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Der ÖPNV müsse in der Region noch stärker für die Wege zum Arbeitsplatz genutzt werden, denn je besser der Arbeitsplatz mit dem Bus, der Straßenbahn oder der Bahn erreichbar sei, umso eher würden Pendler vom Pkw zum ÖPNV wechseln.

Intelligente Mobilität

„Die Herausforderungen der Zukunft sind vor allem die Herausforderungen einer individuellen, intelligenten und vernetzten Mobilität“, schreibt ADAC-Präsident August Markl im Vorwort zur Mobilitätsstudie. Der Pkw bleibe zwar ein wichtiges Fortbewegungsmittel, so die Studienautoren. Aber im Selbstverständnis der Menschen werde er eben nicht mehr zwingend die erste Wahl sein, sondern als Teil neuer, integrierter Mobilitäts- und Verkehrssysteme eine Option unter anderen. Dass das Auto noch möglichst lange erste Wahl bleibt, daran haben die Fahrzeughersteller naturgemäß ein großes Interesse.

Doch auch die Produzenten sehen, dass Mobilität weit mehr ist als das eigene Fahrzeug – vor allem in großstädtischen Regionen. „Die sogenannte multimodale Mobilität kann helfen, Verkehr in Städten effizienter zu organisieren“, so die Hersteller, die sich in der Initiative „Mobilität von morgen“ zusammengeschlossen haben.

Hinter der Initiative stehen die folgenden Mitglieder des Verbandes der Automobilindustrie (VDA): Audi, BMW, Bosch, Continental, Ford, Mercedes-Benz, Opel, Porsche, Volkswagen und ZF Friedrichshafen. „Wir wählen und verknüpfen oftmals verschiedene Verkehrsmittel effizient miteinander. Ob Bus, Bahn, Fahrrad, Carsharing oder das eigene Auto – entscheidend ist nicht mehr, womit man unterwegs ist, sondern dass man auf dem effizientesten Weg ans Ziel kommt“, so die Initiative.

Doch auch beim Auto wird sich in den nächsten Jahren vieles verändern. „Neben der Elektromobilität, auf der der Schwerpunkt unserer Anstrengungen liegt, entwickeln unsere Hersteller und Zulieferer den Verbrennungsmotor weiter, wir sehen noch ein Effizienzpotenzial von 20 bis 30 Prozent. Wasserstoff und Brennstoffzelle stehen zudem auf der Forschungs- und Entwicklungs-Agenda“, sagt Bernhard Mattes, der früher in Köln die Geschicke von Ford in Deutschland lenkte und heute als Präsident des VDA für die Branche spricht.

Ausblick auf das Jahr 2030

„Im Jahr 2030 werden in Deutschland bereits sieben bis 10,5 Millionen Elektrofahrzeuge auf der Straße sein“, schätzt Mattes: „Allein in den nächsten drei Jahren investiert die deutsche Automobilindustrie rund 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe, vorrangig in die E-Mobilität.“ Notwendig seien daher eine europaweit dichte, kundenfreundliche Ladeinfrastruktur, ein leistungsfähiges Stromnetz und eine möglichst einheitliche und wirkungsvolle Förderkulisse.

Auch Michael Schramek, Mobilitätsberater aus Troisdorf und Vorsitzender des Netzwerks intelligente Mobilität, ist überzeugt, dass in Sachen Fortbewegung tiefgreifende Veränderungen bevorstehen: „Was die Menschen wollen, ist in erster Linie unbegrenzte Mobilität. Sie wollen schnell von A nach B kommen, ob in der Stadt oder auf dem hintersten Dorf. Wenn ich an all diesen Orten Autos bereitstelle, die binnen Minuten vor der Tür stehen, verliert das eigene Auto an Bedeutung“, wiederholt Schramek seine These aus einem GA-Interview, das er jüngst gegeben hatte. Das Nutzen, so Schramek, werde wichtiger als das Besitzen.

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