General Electric: US-Technologiekonzern will 1000 Stellen in Frankreich streichen

General Electric : US-Technologiekonzern will 1000 Stellen in Frankreich streichen

Der Stellenabbau bei General Electric in Belfort birgt Zündstoff. Bereits jetzt rüsten sich die Gewerkschaften zum Kampf gegen den geplanten Stellenabbau.

Emmanuel Macron hat im Moment sehr viele Probleme. Seine Partei La République en Marche ist bei der Europawahl dem rechtsextremen Rassemblement National unterlegen, seit Monaten sorgen die sogenannten Gelbwesten mit ihren Protesten für große Unruhe in ganzen Land und haben damit den französischen Präsidenten in ein nicht enden wollendes Umfragetief gestürzt. Nun steht das nächste Desaster vor der Tür: das Unternehmen General Electric (GE) will in Belfort offensichtlich rund 1000 Stellen streichen.

Die Empörung in der ostfranzösischen Stadt ist groß und die Belegschaft macht aus ihrem Zorn auf den Präsidenten keinen Hehl. Der Grund: bei der Übernahme der Energiesparte des französischen Unternehmens Alstom durch GE im Jahr 2014 bekleidete Macron das Amt des Wirtschaftsministers. Die US-Amerikaner versprachen damals, in Belfort 1000 neue Stellen aufzubauen und Macron prophezeite der Stadt eine goldene Zukunft.

Die Käufer legten einst 12,4 Milliarden Euro für Alstom auf den Tisch.Doch der Standort mit insgesamt über 4000 Angestellten kam danach nicht aus dem Schlagzeilen heraus. Bereits kurz nach dem Vertragsschluss kündigte GE an, rund 6500 Arbeitsplätze in ganz Europa abzubauen. Begründet wurden die Sparmaßnahmen mit sinkenden Öl- und Gaspreisen.

Schon damals ahnte die französische Belegschaft Böses. Schließlich stellte sich heraus, dass die Manager bei Vertragsabschluss den Mund etwas voll genommen hatten. Am Ende musste GE in Belfort eine Strafe zahlen, weil die vertraglich versprochenen 1000 zusätzlichen Arbeitsplätze nicht geschaffen worden waren.

Der nun angekündigte Jobabbau in Belfort beträfe vor allem die Sparte des Baus von Gasturbinen. In diesem Fall wird einmal mehr deutlich, dass angesichts des rasanten Ausbaus der erneuerbaren Energien durch die Nutzung von Wind und Sonne, jene Unternehmen unter großem Druck stehen, die mit fossilen Brennstoffen ihr Geld verdienen.

Stimmung ist extrem aufgeheizt

„Das ist ein schwerer Schlag für Belfort“, reagierte der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire auf die Ankündigung. „Aber dieser schwere Schlag resultiert ganz einfach aus dem Einbrechen der Auftragseingänge im Geschäft für Gasturbinen.“ Wie der Sender CNN meldet, sei der Gewinn im ersten Quartal im Bereich der Turbinen für Gas- und Kohlekraftwerke um 71 Prozent zurückgegangen. Le Maire versprach, dass die Regierung dafür sorgen werde, dass für jeden betroffenen Angestellten eine persönlich auf ihn zugeschnittene Regelung gefunden werde.

Doch die Stimmung ist extrem aufgeheizt, und die Angestellten schenken den Versprechungen der Politiker in Paris sehr wenige Vertrauen. Dazu beigetragen hat auch, dass im Februar dieses Jahres Hugh Bailey Direktor von General Electric in Frankreich wurde – er ist ehemaliger Berater in Industriefragen von Emmanuel Macron und damit ein ziemlich enger Vertrauter des Präsidenten.

Damien Meslot, Bürgermeister von Belfort, greift den Staatschef direkt an und gibt ihm eine Mitverantwortung an der Situation. Im Sender RTL erhebt Meslot schwere Vorwürfe. Er glaube, dass Macron schon vor den Europawahlen von den Plänen gewusst und die Chefetage gebeten zu haben, mit der Veröffentlichung bis nach der Abstimmung zu warten. „Das wichtigste ist nun, für alle betroffenen Angestellten eine neue Zukunft zu finden“, erklärt der Bürgermeister.

Die Gewerkschaften haben sich für den Kampf um jeden Arbeitsplatz schon einmal in Stellung gebracht. Es sein ein Staatsversagen, ereifert sich Philippe Petitcolin, Vertreter der Gewerkschaft CFE –CGC. „Es ist schlimmer als erwartet. General Electric sollte Hunderte von Stellen aufbauen und nun streichen sie 1000.“ Er fordert Wirtschaftsminister Bruno Le Maire auf, nach Belfort zu kommen. Philippe Petitcolin will ihm dort erklären, dass Gasturbinen doch noch eine Zukunft hätten.

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