Bonner Unternehmen: US-Gericht weist Solarworld ab

Bonner Unternehmen : US-Gericht weist Solarworld ab

Vorerst gibt es in Michigan keine Anhörung der Deutschen im millionenschweren Prozess mit dem US-Konzern Hemlock um Silizium-Lieferungen.

Rückschlag für die Bonner Solarworld AG im millionenschweren Streit um Silizium-Lieferverträge. Das zuständige Gericht im US-Bundesstaat Michigan hat eine für gestern terminierte Anhörung des Solarworld-Managements abgesagt. Gründe wurden auf Anfrage nicht genannt. Zuvor hatte der „Federal Court“ in Bay City, Michigan, die Anhörung bereits um zwei Wochen verschoben.

Eigentlich hatten die Manager des Bonner Unternehmens gestern ihre Sicht auf einen Rechtsstreit darlegen wollen, der den Solarkonzern in seiner Existenz bedroht. Umgerechnet rund 700 Millionen Euro Schadenersatz fordert Hemlock von der Solarworld AG für nicht erfüllte Siliziumlieferverträge. Den Rohstoff für die Solarzellen hatte Solarworld während einer Phase knapper Vorräte auf dem Weltmarkt langfristig bestellt. Nachdem die Preise wieder gesunken waren, trat die Solarworld AG von den jetzt für sie ungünstigen langfristigen Vereinbarungen zurück.

Wie die abgesagte Anhörung die Chancen der Bonner vor Gericht beeinflusst, wollte Solarworld gestern auf Anfrage nicht mitteilen. Man äußere sich nicht zu laufenden Verfahren. Der Konzern verwies auf die Risikoeinschätzung aus dem Geschäftsbericht 2015: „Erhebliche negative Auswirkungen auf die Liquiditätslage bis hin zur Bestandsgefährdung“ werden dort durch den Hemlock-Rechtsstreit erkannt.

Firmenchef und -gründer Frank Asbeck hat sich in der Vergangenheit trotzdem optimistisch gezeigt. Er glaube, dass die Verträge mit Hemlock gegen europäisches Kartellrecht verstoßen und daher ohnehin nicht zu Schadenersatzforderungen führen können. Sollte das US-Gericht zugunsten von Hemlock urteilen, dann geht Asbeck nach früheren Angaben nicht davon aus, dass die Forderungen nach deutschem Recht durchgesetzt werden können. Aus diesem Grund habe das Unternehmen auch auf Rückstellungen verzichtet, also kein Geld für eventuelle Forderungen beiseite gelegt. Das wurde bei der Solarworld-Hauptversammlung am 7. Juni in Bonn von einigen Aktionärsvertretern deutlich kritisiert.

Solarworld-Chef Asbeck verweist immer wieder auf eine außergerichtliche Einigung, die er mit dem Kontrahenten Hemlock anstrebt – bisher offenbar jedoch ohne Erfolg.