Unter Zugzwang

Kommentar

Es ist kein Wunder, dass die Mobilfunkfirmen in den USA auf Partnersuche gehen. Nach der Übernahme von AT&T Wireless durch Cingular folgt die Fusion von Sprint und Nextel. Denn allmählich sinken auch in den USA die Wachstumsraten. Vor drei Jahren noch lag der Kundenzuwachs bei sagenhaften 17 Prozent, in diesem Jahr sollen es nur noch gut sechs Prozent sein. Jetzt haben 172 Millionen der 293 Millionen US-Bürger ein Handy. Da liegt es nahe, noch stärker in den Preiswettbewerb einzutreten. Das fällt großen Anbietern oft leichter als kleinen.

Waren es vor wenigen Monaten noch sechs große Anbieter, die den US-Mobilfunkmarkt bestimmten, so sind es bald nur noch vier. Und die US-Tochter von T-Mobile ist dann der Anbieter mit dem kleinsten Marktanteil. Das ist keine gute Ausgangsposition. Früher hieß es bei der Telekom immer, es lohne sich nur, auf einem Markt aktiv zu sein, wenn man zu den drei größten Anbietern gehöre.

Zwar verweist man bei der Telekom jetzt darauf, dass T-Mobile USA zu einem der größten Netzwerke der Welt gehöre. Allerdings zählt aus Kundensicht vor allem die Position auf dem nationalen Markt: Eine Mobilfunkfirma muss beispielsweise durch den Umfang der Werbung ihren Markennamen auf einem hohen Bekanntheitsgrad halten. Das fällt größeren Konkurrenten leichter.

Bereits nach der Übernahme von AT&T durch Cingular gab T-Mobile USA fast zwei Milliarden Euro aus, um zusätzliche Netze zu übernehmen. Das musste sie, weil sie die Partnerschaft mit Cingular nicht aufrechterhalten konnte. Ähnliche Aktivitäten dürften jetzt schwerfallen, weil in der Mobilfunksparte die Zeichen auf Sparen stehen. Um eine Milliarde Euro will die Telekom-Tochter im nächsten Jahr ihre Kosten senken. Langfristig bleibt T-Mobile USA zur Wachstum aber keine Alternative.

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