ZF-Werk: Unruhe beim Bonner Autozulieferer

ZF-Werk : Unruhe beim Bonner Autozulieferer

Autozulieferer plant angeblich Verkauf der Sparte. Rund 250 Mitarbeiter arbeiten am Standort. Unruhe bei den rund 250 Mitarbeitern des Autozulieferers ZF in Bonn: Gerüchte, das Unternehmen wolle die Sparte Gummi-Metall-Kunststoff, zu der das Bonner Werk gehört, an einen chinesischen Konzern verkaufen, lassen Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze fürchten.

Die ZF-Pressestelle wollte gestern keine Stellung dazu nehmen. "Marktgerüchte kommentieren wir nicht", sagte ein Sprecher. Dementieren wollte er die Pläne allerdings nicht. Auch der Betriebsrat in Bonn ging auf Tauchstation: "Es ist deswegen schon genug Unruhe hier spürbar", hieß es lediglich. Nach GA-Informationen wurden die Beteiligten von ZF zu Stillschweigen verpflichtet.

In der Gummi-Metall-Kunststoffsparte beliefert ZF viele große Autohersteller zum Beispiel mit Kunststoffpedalen oder Motorlagern. In Deutschland gehören dazu neben dem Bonner Werk, wo Forschung und Entwicklung angesiedelt sind, zwei Standorte in Damme (Niedersachsen) und Simmern im Hunsrück. An den drei Standorten sind zusammen rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt.

Vor fünf Jahren hat ZF für diese Sparte auch einen Standort in China aufgebaut, der erst in diesem Jahr erweitert wurde und inzwischen 570 Mitarbeiter beschäftigt. Als Kaufinteressent für die Sparte wird von Insidern ein chinesischer Konzern genannt. Bereits im Geschäftsbericht 2012 hatte ZF auf die nicht zufriedenstellenden Gewinne der Sparte hingewiesen: "Im Standardspektrum der Gummi-Metallkomponenten setzt sich der Preisdruck ungebrochen fort und belastet somit die Ergebnisentwicklung des Geschäftsfelds", heißt es dort.

Insider führen an, dass ZF diese Komponenten häufig im Paket mit anderen Produkten verkauft und dann Preisabschläge gewährt, diese aber allein den Gummi-Metall-Teilen zurechne.

Jürgen Weller von der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg kennt nach eigenen Angaben die Klagen des ZF-Managements über die mangelnde Rentabilität der Sparte: "Da werden aber schwarze Zahlen geschrieben, nur nicht so hohe, wie sich ZF das wünscht. Aber das liegt bei den Gummiteilen, die vom Kautschukpreis abhängen, in der Natur der Sache."

Laut Weller gibt es bei ZF in Bonn einen Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag bis Ende 2015. Beschäftigte fürchten jedoch, dass die Chinesen bis dahin das Know-how abziehen und anschließend die deutschen Standorte schließen könnten.

Allerdings müsse für einen Verkauf die Sparte erst in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden, heißt es in der Belegschaft: "Sollten die betroffenen Mitarbeiter alle einem Betriebsübergang widersprechen, hätte ZF dann ein Problem."

Der Autozulieferer ZF: Standorte in Bonn, Eitorf und Ahrweiler

Der Friedrichshafener Autozulieferer ZF - die beiden Buchstaben stehen ursprünglich für Zahnradfabrik Friedrichshafen - gehört mit knapp 75.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 17,4 Milliarden Euro (2012) zu den zehn größten Autozulieferern der Welt. Seine historische Spezialität sind Getriebe, längst gehören aber auch Lenkungen, komplette Achsen und viele andere Teile zum Produktprogramm.

Das Geschäftsfeld Fahrwerkstechnik, zu dem in der Region Werke in Bonn, Eitorf und Bad Neuenahr-Ahrweiler gehören, konnte im vergangenen Jahr den Umsatz um stolze 17 Prozent auf knapp fünf Milliarden Euro ausbauen, 19.500 Mitarbeiter sind hier weltweit beschäftigt. Die Standorte Eitorf und Ahrweiler gehören aber nicht zur Untersparte Gummi-Metall-Kunststoff und sind deshalb nicht von den Verkaufsplänen betroffen.