"True Fruits" bekommt Preis des Ernährungsministeriums

"True Fruits" bekommt Preis des Ernährungsministeriums

Bonner Firma machte "Smoothies" salonfähig - 14 Mitarbeiter in alter Beueler Tapetenfabrik beschäftigt

Bonn. Am Anfang war Klinkenputzen. Denn das Produkt des Bonner Jungunternehmer-Trios war derart exotisch, dass zunächst keiner der Gesprächspartner damit etwas anfangen konnte: "Smoothies kannte vor drei Jahren in Deutschland kaum jemand", erinnert sich Inga Koster an die ersten Gehversuche der drei Gründer des Trinkobst-Herstellers "True Fruits" im Einzelhandel.

Das hat sich inzwischen geändert. In diesen Tagen erhält das Unternehmen den Bundesehrenpreis des Ernährungsministeriums für Fruchtgetränkehersteller. Dennoch müssen Koster (29) und ihre Mitstreiter Marco Knauf (31) und Nicolas Lecloux (27) immer wieder erklären, was "Smoothies" überhaupt sind: Pürierte Früchte zum Trinken nämlich.

Ihren Namen haben die dickflüssigen Säfte vom englischen Wort "smooth" für geschmeidig. Inzwischen finden sich Fläschchen mit dem cremigen Trinkobst allerdings landauf, landab in den Kühltheken der Supermärkte und Tankstellen.

Schließlich haben sich Smoothies zum Trendgetränk der Gesundheitsbewussten gemausert - und die Bonner Gründer, die bei der Markteinführung von True Fruits im Herbst 2006 mit zu den Trinkobst-Pionieren in Deutschland zählten, haben heute rund ein Dutzend Mitbewerber. Darunter auch Handelsgrößen wie Chiquita oder Eckes-Granini, die mit "riesigen Werbebudgets" antreten, so Koster.

Sie alle haben einen lukrativen Markt für sich entdeckt. Denn die Umsatzentwicklung in diesem Segment ist regelrecht explodiert: Wurden 2005 Smoothies im Wert von 5,3 Millionen Euro abgesetzt, kletterte der Umsatz 2007 auf 89,9 Millionen Euro, so Erhebungen des Marktforschungsunternehmens AC Nielsen. Verkauft wurden 2007 21,6 Millionen Liter Smoothies, im Jahr zuvor waren es nur 5,4 Millionen Liter.

Auch bei den True-Fruits-Machern drehte sich die Umsatzkurve schon kurz nach der Gründung, für die zwei Bonner Investoren als Kapitalgeber gewonnen werden konnten, steil nach oben. Wurden kurz nach der Einführung gerade mal 10 000 Fläschchen abgesetzt, laufen heute Monat für Monat rund eine halbe Million Smoothies vom Band.

130 Tonnen Obst werden jeden Monat für die fünf True-Fruits-Varianten püriert und von einem Stuttgarter Safthersteller abgefüllt - der eigens seine Abfüllanlangen für die dickflüssigen Smoothies umrüsten musste. 14 Mitarbeiter gehören inzwischen zum Team, das in der alten Tapetenfabrik in Bonn-Beuel arbeitet und alle Hände voll zu tun hat.

Kürzlich wurde der Außendienst ausgebaut, um neue Vertriebskonzepte zu erschließen. Die drei Gründer steckten noch im Wirtschaftsstudium an der Fachhochschule in Sankt Augustin, als ihnen die Idee kam, pürierte Früchte in Glasflaschen zu 250 ml auzufüllen und als Wellnessprodukt auf den deutschen Markt zu bringen.

In Schottland waren Koster und Knauf Anfang 2005 erstmals Smoothies in die Hände gefallen, die in britischen Supermärkten schon seit Jahren zum Standardsortiment gehörten. Wieder zurück in Deutschland machten sie sich mit Feuereifer an die Entwicklung ihrer eigenen Smoothies - und der passenden Geschäftsidee.

Mit ihrem Businessplan überzeugten die Absolventen schließlich auch die Jury des renommierten NUK-Gründerwettbewerbs der Region Köln. Ausgelacht werden die Bonner heute nicht mehr, wenn sie mit ihrem Produkt aufkreuzen, im Gegenteil: Ob Karstadt oder Kaufhof, Rewe oder die großen Tankstellenketten, ihre Smoothies gibt es inzwischen bundesweit. Sogar in Österreich und der Schweiz stehen die Flaschen in den Regalen.

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