Trithor meldet Insolvenz an

Der Geschäftsbetrieb der Rheinbacher Firma geht weiter

Rheinbach. Dass "Supraleitung" schon bei minus 196 Grad funktioniert statt bei minus 269, war eine kleine wissenschaftliche Revolution: Der deutsche Physiker Johannes Bednorz und sein Schweizer Kollege Karl Müller fanden das 1986 heraus und hatten schon ein Jahr später den Nobelpreis in der Tasche.

Die beiden Bonner Physiker Jens Müller und Carsten Bührer wollten Stoffe finden, mit denen dieser widerstandslose Stromtransport gut funktioniert, und aus diesen Stoffen in industriellem Maßstab Drähte herstellen. Dazu machten sich selbstständig - mit einer Ausgründung der Bonner Universität ( der GA berichtete).

Jetzt, sechs Jahre später, ist ihre Firma Trithor pleite. Die im neuen Rheinbacher Industriegebiet ansässige Firma hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigte am Donnerstag der zuständige Insolvenzverwalter Dirk Obermüller: "Letztlich ist es daran gescheitert, dass die Entwicklungen nicht langfristig genug durchfinanziert waren."

Dennoch geht der Geschäftsbetrieb weiter. Auch eine anstehende Messeteilnahme sei gesichert. Löhne und Gehälter, die zum Teil seit Mai ausstehen, "werden vorfinanziert, wenn die Arbeitsagentur zustimmt", stellt Obermüller in Aussicht.

Die inzwischen 27 Beschäftigten fertigen Drähte, die bei bestimmten Kältegraden Strom widerstandslos passieren lassen. "Das ist eine interessante Technologie", sagt Obermüller, "allerdings ist sie entwicklungs- und kostenintensiv. Und es dauert, bis sich so etwas am Markt durchsetzt."

Zwei Jahre forschten die beiden Firmengründer Jens Müller und Carsten Bührer an der Umsetzung ihres Verfahrens. Geld und Beratungsleistungen kamen aus dem "Pfau-Topf" des Landes Nordrhein-Westfalen: Das "Programm zur finanziellen Absicherung von Unternehmensgründern aus Universitäten" finanziert Wissenschaftlern mit geeigneter Geschäftsidee eine Forschungsstelle, damit sie die Durststrecke bis zur Firmenreife ihres Produktes durchstehen können.

Im März 2003 verließ die erste Rolle Supra-Draht das Rheinbacher Werk, allerdings gab es offenbar zu wenig Kunden. "Jetzt sind die finanziellen Ressourcen ausgeschöpft", sagt Obermüller.

Verschiedene Investoren seien bereit gewesen zu helfen, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Hauptgesellschafterin Mannheimer Stadtwerke MVV Energie AG auf Teile des Gesamtengagements verzichtet.

Zu einer solchen Einigung kam es zunächst nicht, weil die MVV nicht bereit war, Wertberichtigungen in ihrem Portfolio vorzunehmen. "Jetzt haben wir die Gespräche mit möglichen Investoren wieder aufgenommen", sagt der Insolvenzverwalter. Auch das Land NRW sei zu einer weiteren Förderung der Rheinbacher bereit.

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