"Gute Chancen für Gründer": Tech-Geschäftsführer Michael Brandkamp im Interview

"Gute Chancen für Gründer" : Tech-Geschäftsführer Michael Brandkamp im Interview

Start-ups steht so viel Geld wie nie zuvor zur Verfügung steht. Das sagt Michael Brandkamp, Chef des Bonner High-Tech Gründerfonds. Ein Gespräch über neue Technologien, Finanzierungsmöglichkeiten und erfolgreiche Gründer.

Wonach suchen Investoren derzeit in der Gründerszene?

Michael Brandkamp: Es gibt eine Renaissance der echten Technologie-Unternehmen. Die Investoren sind auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen bei Start-ups, die nicht einfach kopiert werden können. Das muss nicht immer Maschinenbau oder Sensorik sein. Ein gutes Beispiel für solche Firmen ist Code Intelligence, eine Ausgründung aus der Universität Bonn, die Software auf Sicherheitslücken untersucht. Einfache Apps und E-Commerce-Portale sind hingegen nicht mehr so innovativ und gefragt.

In welchen Branchen sehen Sie Zukunftschancen?

Brandkamp: Die Digitalisierung als Wachstumstreiber ist ja nun hinreichend bekannt. Die Zukunft sehe ich im Aufbau von nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen. Ganze Wertschöpfungsketten vom Öl bis zum Kunststoff werden möglicherweise neu definiert, um weltweit Ressourcen zu schonen. Das birgt große Chancen für Unternehmer.

Steht Gründern im Moment ausreichen Geld zur Verfügung?

Brandkamp: Die Finanzierungsmöglichkeiten sind derzeit so gut wie nie zuvor. Es gibt sehr viel Geld im Markt, vor allem auch von privaten Investoren. Dazu kommt ein starkes Interesse von großen Unternehmen und von Mittelständlern, die nach Innovationen suchen und auch bereit sind, diese zu finanzieren. Allerdings gibt es in Deutschland immer noch zu wenige Beteiligungsgesellschaften.

Warum ist das so?

Brandkamp: Die Finanzierungsstrukturen in Deutschland sind anders als in angelsächsischen Ländern. Die Banken sind bei uns viel stärker an der Gründungsfinanzierung beteiligt. Dazu kommt: Durch das umlagefinanzierte Rentensystem gibt es keine großen Pensionsfonds wie in den USA, die viel Geld anzulegen haben. Demzufolge fließt weniger Geld in den Venture- Capital-Markt, der auch vergleichsweise wenig Tradition hat.

Wie groß ist das Interesse ausländischer Investoren an deutschen High-Tech-Gründungen. Droht uns ein Ausverkauf?

Brandkamp: Als High-Tech-Gründerfonds engagieren wir uns bei Unternehmen vor allem in der Startphase. Danach steigen weitere Investoren ein. Wir haben bisher in rund 500 Unternehmen rund 370 Millionen Euro investiert. Diese Gründer konnten in Folge 1,9 Milliarden Euro von weiteren Investoren einsammeln, um zu wachsen. Von dieser Summe stammen rund 765 Millionen aus dem Ausland, vor allem aus Großbritannien, den USA und den Niederlanden, wo viele Beteiligungsgesellschaften ihren Sitz haben. China ist mit drei Prozent der Investitionssumme bei uns ein Schlusslicht, trotz der politischen Diskussion um einen Technologie-Ausverkauf an chinesische Unternehmen. Für unsere Gründer spielt vor allem der chinesische Marktzugang eine Rolle.

Der High-Tech Gründerfonds ist mit öffentlichen Mitteln ausgestattet. Ist das notwendig, wenn das Investoreninteresse so groß ist?

Brandkamp: Die Anfangsphase von Start-ups ist mit hohen Risiken behaftet. Das Management ist noch nicht eingespielt, die Technologie oft noch nicht ausgereift, die Marktresonanz unklar. Gleichzeitig haben Gründer ihren Investoren kaum Sicherheit zu bieten. Es müssen Verluste vorfinanziert werden, und das machen Banken nicht. Der staatliche Einsatz ist wichtig, um diesen stark schwankenden Markt zu stabilisieren. In guten Zeiten wie heute ist auch für Gründer in der frühen Phase privates Kapital vorhanden. Sollte die Stimmung allerdings kippen, ziehen sich die Investoren schnell zurück.

Wie viele ihrer Beteiligungen haben bisher überlebt?

Brandkamp: Etwa jedes dritte Investment scheitert. Das ist zwar tragisch, aber Teil des Geschäfts.

Der Fonds finanziert nur High-Tech-Gründungen. Wie hoch ist der Anteil von Ausgründungen aus der Wissenschaft?

Brandkamp: Derzeit liegt der Anteil unserer Gründer aus Hochschulen und wissenschaftlichen Institutionen bei rund 40 Prozent. Da gibt es noch deutlich Luft nach oben. Wir Deutschen sind sehr gut darin, aus Geld Wissen zu machen. Aber wir sind nicht so gut darin, aus Wissen wieder Geld zu machen. Da müssen wir ansetzen. Wir brauchen mehr unternehmerische Kultur an den Hochschulen. Wir sind auf gutem Weg, aber das ist eine langfristige Entwicklung. Aus der Bonner Universität gibt es einige interessante Gründungen, aber wir hoffen, dass auf Grund der wissenschaftlichen Exzellenz der Hochschule noch mehr kommt.

Was macht einen erfolgreichen Gründer aus?

Brandkamp: Sie oder er braucht Mut, Biss und vor allem Lernfähigkeit. Offenheit ist wichtig, denn ein Start-up entwickelt sich oft in eine ganz andere Richtung als geplant. Dazu sollte soziale Kompetenz kommen, denn Gründer müssen Investoren und Kunden von ihrer Idee überzeugen können.

Sind das immer nur junge Leute?

Brandkamp: Überhaupt nicht. Unter unseren Gründern sind durchaus auch erfahrene Manager. Die werden gerade dann gebraucht, wenn Unternehmen wachsen und Strukturen aufbauen müssen.

In Bonn und Umgebung wird immer wieder über zu wenige Gründungen geklagt. Woran könnte das liegen?

Brandkamp: Die Ausgangslage hier in der Region ist sehr gut. Es gibt große Konzerne, die Wirtschaftslage ist hervorragend. Berlin ist allerdings weiterhin das Zugpferd für die Start-up-Szene. Ich erwarte, dass sich die Impulse weiter in ganz Deutschland ausbreiten. Vor 15 Jahren galten Gründer noch als Exoten, heute sind es die Top-Leute, die ein Start-up aufbauen. Es gilt auch nicht mehr als Makel, wenn jemand mit seiner Unternehmensgründung gescheitert ist. Im Gegenteil: Die Personalabteilungen der Konzerne sehen das als Ausweis von Unternehmergeist. Dazu kommen Fernsehserien wie „Höhle der Löwen“, die Firmengründungen populär machen. Das finde ich hervorragend.

Mehr von GA BONN